Inflation weitet Lohnlücke: Frauen reagieren pessimistischer auf Preisschocks
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Inflation weitet Lohnlücke: Frauen reagieren pessimistischer auf Preisschocks

Eine neue Studie der Norges Bank zeigt: Steigende Inflation weitet die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen. Dies liegt an den pessimistischeren Arbeitsmarkterwartungen von Frauen, die ihre Bereitschaft zu Lohnforderungen mindern.

Pessimismus bremst Frauenlöhne bei Inflation

Die Norges Bank hat zwei empirische Fakten zur Lohnlücke zwischen den Geschlechtern identifiziert.

Erstens weitet sich die Lohnlücke systematisch, wenn die Inflation steigt, unabhängig davon, ob dies durch nachfrage- oder angebotsgetriebene Schocks verursacht wird.

Zweitens reagieren Frauen auf diese inflationären Schocks mit pessimistischeren Arbeitsmarkterwartungen als Männer, insbesondere hinsichtlich ihrer eigenen Jobaussichten.

Diese pessimistische Interpretation reduziert ihre Bereitschaft, nominale Lohnerhöhungen zu verfolgen, was ihr Lohnwachstum im Vergleich zu Männern bei steigender Inflation verlangsamt.

Die Analyse basiert auf US-Daten der Current Population Survey (CPS) seit 1982 und kontrolliert für Merkmale wie Branche und Beruf.

Modell formalisiert Erwartungseffekte

Die Studie formalisiert diesen Mechanismus in einem Zwei-Agenten-New-Keynesian-Such- und Matching-Modell mit unvollständiger Information.

Hier bilden Frauen pessimistische Überzeugungen über zugrunde liegende Schocks.

Das Modell reproduziert die beobachtete inflationsbedingte Ausweitung der Lohnlücke zwischen den Geschlechtern.

Konventionelle Erklärungen, wie geschmacksbasierte Diskriminierung oder Unterschiede in der Verhandlungshäufigkeit, können die empirischen Befunde nicht replizieren, da sie entgegengesetzte Reaktionen der Lohnlücke auf Nachfrage- und Angebotsschocks implizieren würden.

Die Ergebnisse etablieren eine neue Verbindung zwischen Inflation und Geschlechterungleichheit.

Inflation: Mehr als nur Kaufkraftverlust

Diese Studie liefert eine neuartige Verbindung zwischen Inflation und Geschlechterungleichheit, die über traditionelle Erklärungen hinausgeht.

Sie verdeutlicht, dass makroökonomische Phänomene erhebliche Verteilungskonsequenzen haben und bestehende Ungleichheiten oft verschärfen.

Für politische Entscheidungsträger bedeutet dies, dass Inflationsmanagement nicht nur Preisstabilität, sondern auch soziale Gerechtigkeit umfasst.