Norges Bank: Wholesale CBDC birgt Risiken für Liquiditätsmanagement
Ein Staff Memo der Norges Bank untersucht die Auswirkungen von Wholesale CBDC und tokenisierten Bankeinlagen auf die Liquiditätssteuerung von Zentralbanken und Geschäftsbanken. Die Studie identifiziert besondere Herausforderungen, wenn Reserven im Bankensystem knapp sind.
Knappe Reserven als Stolperstein
Die Einführung von Wholesale CBDC (wCBDC) schafft zwei Arten von Zentralbankgeld für Abwicklungszwecke: wCBDC und traditionelle Zentralbankreserven.
Ökonomen der Norges Bank analysieren in einem 2x2-Modell die Konsequenzen für das Liquiditätsmanagement.
Insbesondere bei knappen Reserven im Bankensystem können sich erhebliche Herausforderungen ergeben.
Tokenisierte Zahlungen kurz vor Handelsschluss des RTGS-Systems der Zentralbank können die Salden der Banken an Reserven und wCBDC plötzlich verändern.
Dies zwingt Banken möglicherweise zu kurzfristigen Umverteilungen oder zur Inanspruchnahme teurer Übernachtfazilitäten, was die Geldpolitik stören kann.
Die Studie betont, dass diese Problematik in der wCBDC-Literatur bisher wenig Beachtung gefunden hat.
Lösungsansätze für operative Hürden
Für Modelle mit knappen Reserven und Abwicklung tokenisierter Einlagen in traditionellen Reserven schlagen die Autoren eine verzögerte Abwicklung vor.
Hierbei werden Kundenzahlungen sofort gutgeschrieben, die Interbankenabwicklung erfolgt jedoch erst am nächsten Geschäftstag.
Dies ermöglicht 24/7-Transaktionen ohne Verlängerung der RTGS-Öffnungszeiten.
Bei knappen Reserven und Abwicklung in wCBDC ist die Situation komplexer, da atomare Abwicklung erforderlich ist.
Hier könnte eine Begrenzung tokenisierter Zahlungen in einem Zeitfenster vor RTGS-Schluss helfen, Liquiditätsrisiken zu mindern.
Trotz dieser Einschränkung wäre dies ein Effizienzgewinn gegenüber heutigen Zahlungssystemen.
Vernachlässigtes Risiko im Fokus
Die Studie der Norges Bank schließt eine wichtige Lücke in der Debatte um Wholesale CBDC.
Sie zeigt auf, dass die Liquiditätssteuerung bei knappen Reserven erhebliche operative Herausforderungen birgt, die bisher kaum beachtet wurden.
Ihre Erkenntnisse sind für Zentralbanken mit Floor-Systemen weniger relevant, bieten aber wertvolle Impulse für solche mit knappen Reserven.