Arbeitsentgeltquoten: EU und US mit unterschiedlichen Treibern
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Ar­beits­ent­gelt­quo­ten: EU und US mit unterschiedlichen Treibern

Eine Studie der Norges Bank dokumentiert eine transatlantische Kluft bei den Arbeitsentgeltquoten zwischen Europa und den USA von 1960 bis 2023. Während in Europa Arbeitsmarktfaktoren den Rückgang prägten, waren in den USA vor allem automatisierungsbedingter technologischer Wandel die Treiber.

Europa vs. USA: Asynchrone Dynamiken

Die Studie analysiert die Entwicklung der Arbeitsentgeltquoten in großen Euro-Ländern (Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien) und den USA von 1960 bis 2023.

Sie dokumentiert eine ausgeprägte transatlantische Kluft: In Europa blieb die Quote bis in die 1980er Jahre stabil, sank dann über zwei Jahrzehnte und stabilisierte sich anschließend.

Dies spiegelte vor allem Veränderungen in Arbeitsmarktinstitutionen und im Arbeitskräfteangebot wider.

Im Gegensatz dazu fiel die Arbeitsentgeltquote in den USA nach 2000 stark ab, hauptsächlich getrieben durch arbeitssparende technologische Veränderungen, insbesondere Automatisierung.

Die Forscher nutzen ein strukturelles VAR-Modell mit gemeinsamen Trends, um diese langfristigen Dynamiken und ihre Ursachen zu identifizieren.

Jenseits der Oberfläche: Methodik und Mechanismen

Die Ökonomen identifizieren vier globale strukturelle Kräfte, die die Dynamik der Arbeitsentgeltquoten beeinflussen: arbeitssparender technologischer Fortschritt (z.B. Automatisierung), Arbeitsmarktfaktoren (z.B. Institutionen, Verhandlungsmacht), kapitalvermehrende Technologie und Marktmacht (z.B. Aufschläge der Unternehmen).

In Europa waren Arbeitsmarktfaktoren der Haupttreiber des Rückgangs von 1980 bis 2000.

In den USA dominierten nach 2000 arbeitssparender technologischer Fortschritt und steigende Preisaufschläge.

Die Studie erweitert die Analyse um Arbeitslosigkeit und die Unterscheidung zwischen Automatisierung und Globalisierung, um die zugrunde liegenden Mechanismen genauer zu beleuchten.

Mehr als nur eine Randnotiz

Diese Studie liefert einen umfassenden Rahmen zur Erklärung der unterschiedlichen Entwicklungen der Arbeitsentgeltquoten.

Sie zeigt, dass die Politik in Europa und den USA auf unterschiedliche Ursachen reagieren muss, um die Einkommensverteilung zu beeinflussen.

Die Ergebnisse sind entscheidend für das Verständnis langfristiger makroökonomischer Trends und die Gestaltung zukünftiger Arbeitsmarkt- und Technologiepolitik.