RBA erhöht Leitzins auf 4,35 Prozent
Die Reserve Bank of Australia (RBA) hat ihren Leitzins auf 4,35 Prozent angehoben. Assistenzgouverneurin Sarah Hunter erläuterte, wie der Nahost-Konflikt die Inflationsaussichten beeinflusst und die Entscheidung des geldpolitischen Rates prägte.
Nahost-Konflikt treibt Preise
Die RBA verfolgt das Ziel einer durchschnittlichen Preissteigerung von 2–3 Prozent pro Jahr, gemessen am Verbraucherpreisindex (VPI).
Dabei unterscheidet sie zwischen relativen Preisänderungen einzelner Güter und einer breiteren, anhaltenden Inflation.
Faktoren wie der globale Ölpreis, der durch den Nahost-Konflikt beeinflusst wird, können die Kosten für Unternehmen und Haushalte direkt erhöhen.
Der Anteil der Kraftstoffausgaben am VPI beträgt in Australien etwa 3,5 Prozent.
Diese direkten Effekte führten dazu, dass die RBA ihre Prognose für die Gesamtinflation im Juni-Quartal auf einen Höchstwert von 4,8 Prozent revidierte, deutlich höher als in den Februar-Prognosen erwartet.
Indirekte Effekte durch höhere Transport- und Produktionskosten verstärken den Druck.
Erwartungen als Inflationsmotor
Die Geschwindigkeit und das Ausmaß der Kostenweitergabe durch Unternehmen an die Verbraucherpreise sind entscheidend.
In einem Umfeld knapper Kapazitäten und bereits erhöhter Inflation sind Firmen eher bereit, Preise anzupassen, was den inflationären Impuls schneller und umfassender weitergibt.
Die RBA-Forschung zeigt, dass diese Dynamik 0,5 bis 1,25 Prozentpunkte des Inflationsanstiegs in Australien 2022 und 2023 ausmachte.
Von zentraler Bedeutung ist auch die Verankerung der Inflationserwartungen.
Steigen die Erwartungen von Unternehmen und Haushalten, können sie sich in Verträgen und Löhnen festsetzen und eine selbsterfüllende Prophezeiung auslösen.
Dies erschwert der Zentralbank die Rückführung der Inflation auf das Ziel und kann eine substanziellere Verlangsamung der Wirtschaft erfordern.
Ein schwieriger Balanceakt
Die RBA reagiert mit der Zinserhöhung auf den doppelten Druck aus inländischen Kapazitätsengpässen und dem externen Ölschock.
Der geldpolitische Rat musste handeln, um das Risiko steigender Inflationserwartungen und einer schnelleren Kostenweitergabe einzudämmen.
Dies zeigt die Entschlossenheit der Zentralbank, die Preisstabilität zu sichern und ihre Glaubwürdigkeit auch unter schwierigen globalen Bedingungen zu wahren.