Hunter: Vollbeschäftigung und Inflation untrennbar – Arbeitsmarkt angespannt
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Hunter: Vollbeschäftigung und Inflation untrennbar – Arbeitsmarkt angespannt

Sarah Hunter, stellvertretende Gouverneurin der RBA, erläutert die untrennbare Verbindung von Vollbeschäftigung und Inflation. Der australische Arbeitsmarkt bleibt ihrer Einschätzung nach weiterhin angespannt.

Doppelte Helix: Vollbeschäftigung und Preisstabilität

Die Reserve Bank of Australia (RBA) verfolgt ein doppeltes Mandat: nachhaltige Vollbeschäftigung und niedrige, stabile Inflation.

Wie Sarah Hunter, stellvertretende Gouverneurin der RBA, in ihrer Rede betonte, sind diese Ziele untrennbar miteinander verbunden – wie eine 'doppelte Helix'.

Vollbeschäftigung wird dabei als das maximale Beschäftigungsniveau definiert, das mit einer geringen und stabilen Inflation vereinbar ist.

Kurzfristige Abweichungen sind möglich, doch langfristig führen ein ausgeglichener Arbeitsmarkt und Preisstabilität Hand in Hand.

Die RBA bewertet den Arbeitsmarkt aktuell als 'etwas angespannt', trotz einer gewissen Entspannung seit der Pandemie.

Diese anhaltende Straffheit ist ein Indikator für weiterhin bestehenden Inflationsdruck in der Wirtschaft, was die geldpolitischen Entscheidungen des RBA-Rates maßgeblich beeinflusst.

Neue Indikatoren für einen balancierten Arbeitsmarkt

Um den Zustand der Vollbeschäftigung präzise zu erfassen, hat die RBA ihre Analysemethoden weiterentwickelt.

Statt sich allein auf die Arbeitslosenquote zu verlassen, zieht sie ein breites Spektrum an Arbeitsmarktindikatoren heran, darunter Lohn- und Preisindikatoren sowie ökonometrische Modelle.

Dieser Ansatz, der im Rahmen der RBA-Überprüfung verfeinert wurde, berücksichtigt auch Veränderungen in der Arbeitszeit oder der Bereitschaft zum Jobwechsel.

Die RBA hat zudem ihre Benchmarks angepasst, um zugrunde liegende Trends in den Indikatoren zu berücksichtigen.

Ein zentrales Modell zur Verknüpfung von Inflation und Arbeitsmarkt ist die NAIRU (Non-Accelerating Inflation Rate of Unemployment), die die Arbeitslosenquote schätzt, bei der die aktuelle Inflation mit der erwarteten Inflation konvergiert.

Erwartungsanker dämpft Inflationsrisiken

Die RBA interpretiert die NAIRU heute anders, da Inflationserwartungen fest bei 2,5 Prozent verankert sind.

Dies bedeutet, dass ein angespannter Arbeitsmarkt zwar zu erhöhter Inflation führen kann, diese aber nicht notwendigerweise außer Kontrolle gerät.

Diese Verankerung der Erwartungen hat den Disinflationsprozess der Jahre 2022–2025 erheblich erleichtert.