RBI: Digitale Ära erfordert agile und kooperative Finanzregulierung
RBI Speech Read in English

RBI: Digitale Ära erfordert agile und kooperative Finanzregulierung

Der stellvertretende Gouverneur der Reserve Bank of India (RBI), Shirish Chandra Murmu, sprach am 9. Januar 2026 in Mumbai über die Anpassung der Finanzregulierung an das digitale Zeitalter. Er beleuchtete neue Risiken, Chancen und leitende Prinzipien für eine agile Aufsicht.

Grenzen verschwimmen, Risiken skalieren

Die Digitalisierung komprimiert die Zeitdimension im Finanzwesen, was schnelle Transaktionen und automatische Entscheidungen ermöglicht.

Dies verkürzt die Zeit zwischen Frühwarnung und tatsächlichem Schaden, da operative Vorfälle oder Betrug schnell eskalieren können.

Regulierungsansätze müssen sich daher von post-facto-Behebung zu proaktiver Erkennung und agilen Interventionen entwickeln.

Gleichzeitig verwischt die Digitalisierung traditionelle Regulierungsgrenzen.

Finanzaktivitäten werden zunehmend entbündelt und über nicht-finanzielle Plattformen abgewickelt, die nicht in den bestehenden Regulierungsbereich der RBI passen.

Dies führt zu einer Fragmentierung der Aufsicht, bei der keine einzelne Behörde eine umfassende End-to-End-Sicht auf die gesamte Aktivitätskette und Risikotransmissionspfade hat.

Murmu betonte, dass dies isoliert sinnvolle Regulierungsmaßnahmen kollektiv unzureichend machen kann, insbesondere bei grenzüberschreitenden Aktivitäten, die regulatorische Arbitrage ermöglichen.

Die Herausforderung liegt darin, kohärente Rahmenwerke zu schaffen, die Klarheit ohne Starrheit und Flexibilität ohne Mehrdeutigkeit bieten.

Daten als Frühwarnsystem

Die Digitalisierung schafft auch neue Chancen für die Aufsicht.

Granulare, hochfrequente Daten ermöglichen frühzeitigere und tiefere Bewertungen aufkommender Probleme wie beginnender Stress oder anomales Verhalten.

Die RBI nutzt dies bereits mit Tools wie MuleHunter.ai zur Bekämpfung von Betrug.

Zudem verbessern fortschrittliche Daten- und Analysetools die systemweite Sichtbarkeit, indem sie komplexe Abhängigkeitsketten und Verflechtungen durchleuchten, um kritische Knotenpunkte und Konzentrationsrisiken zu identifizieren.

Dies hilft, systemweite Störungen zu antizipieren, selbst wenn einzelne Einheiten widerstandsfähig erscheinen.

Die RBI reduziert auch den Regulierungsaufwand durch digitale Prozesse, etwa mit dem zentralisierten Portal PRAVAAH für Regulierungsdienste und DAKSH für die Überwachung von Compliance und Cyber-Vorfällen.

Verantwortung bleibt, Technologie dient

Murmus Prinzipienkatalog unterstreicht eine entscheidende Verschiebung: Technologie darf die Rechenschaftspflicht der regulierten Entitäten nicht verwässern.

Die Forderung nach adaptiver Verfeinerung und Ergebnisorientierung zeigt, dass starre Regeln der Dynamik des digitalen Wandels nicht gerecht werden können.

Für die Finanzstabilität bedeutet dies, dass Aufsichtsbehörden über die reine Einhaltung von Vorschriften hinausdenken müssen, um systemische Risiken proaktiv zu managen.