Neuseeland: Kaufkraft-Squeeze trotz sinkender Inflation
Neuseelands Lebenshaltungskosten sind weiterhin hoch, obwohl die Inflation nachgelassen hat. RBNZ-Experte Conway erklärt, dass es letztlich um die Kaufkraft geht – was Menschen mit ihrem Einkommen kaufen können – und nicht nur um die Preisentwicklung. Die Preise liegen deutlich über dem Vor-Pandemie-Niveau.
Kaufkraft im Fokus, nicht nur die Preise
Die Herausforderung der Lebenshaltungskosten in Neuseeland ist laut RBNZ-Experte Conway primär eine Frage der Kaufkraft.
Obwohl die Inflation seit ihren Höchstständen nachgelassen hat, sind die Preise im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie deutlich gestiegen.
Insgesamt sind die Preise in Neuseeland um rund 26 Prozent gestiegen, während die Löhne um etwa 32 Prozent zulegten.
Dies führt dazu, dass die Reallöhne zwar leicht über dem Niveau vor COVID-19 liegen, aber viele Neuseeländer sich weiterhin finanziell unter Druck fühlen.
Conway betonte, dass die Preise in Neuseeland im internationalen Vergleich hoch sind, insbesondere für Bau- und wohnungsbezogene Dienstleistungen, die zu den teuersten in der OECD gehören.
Die bloße Verfügbarkeit von Einkommen reicht nicht aus, wenn die Kaufkraft im OECD-Vergleich nur durchschnittlich ist.
Geldpolitik als Anker, Produktivität als Motor
Die Geldpolitik spielt eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung der Kaufkraft, indem sie für niedrige und stabile Inflation sorgt.
Hohe Inflation verzerrt wirtschaftliche Entscheidungen und schafft Unsicherheit.
Conway hob hervor, dass eine stabile Preisentwicklung die notwendigen Bedingungen für nachhaltige Kaufkraftverbesserungen schafft.
Er betonte jedoch, dass die Geldpolitik allein Neuseeland nicht erschwinglicher machen kann.
Langfristige Gewinne bei der Kaufkraft hängen von Produktivitätsverbesserungen ab.
Diese ermöglichen es, dass die Löhne steigen, ohne die Preise nach oben zu treiben.
Produktivitätswachstum ist der stärkste Treiber für höhere Reallöhne und verbesserte Lebensstandards auf lange Sicht.
Strukturelle Reformen sind unverzichtbar
Die Analyse des RBNZ-Experten unterstreicht eine kritische Lücke: Neuseelands Produktivitätswachstum hinkt seit Jahrzehnten hinter anderen Industrieländern her.
Ohne mutige strukturelle Reformen in Bereichen wie Wettbewerb, Investitionen und Innovation wird die Notenbank die Lebenshaltungskosten nicht nachhaltig senken können.
Dies ist ein klarer Appell an die Politik, über die geldpolitischen Instrumente hinaus zu handeln.