Bunge: KI beeinflusst Geldpolitik auf vier Wegen
Aino Bunge von der Riksbank analysiert die langfristigen Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf Wirtschaft und Geldpolitik. Sie identifiziert vier zentrale Mechanismen, die Zinsen und Inflation beeinflussen könnten.
KI treibt Zinsen hoch oder runter
Riksbank-Vizedirektorin Aino Bunge identifiziert vier zentrale Mechanismen, wie Künstliche Intelligenz die Geldpolitik beeinflussen könnte.
Erstens: Ein Produktivitätsschub durch KI senkt Kosten und dämpft die Inflation, was tendenziell niedrigere Leitzinsen begünstigt.
Zweitens: Steigendes Produktivitätswachstum könnte den neutralen Zins erhöhen, da Haushalte höhere Einkommen erwarten und mehr Kredite nachfragen.
Eine zunehmende Einkommensungleichheit könnte diesen Effekt jedoch dämpfen, indem sie die Sparquoten erhöht und den neutralen Zins senkt.
Drittens: Der erhöhte Investitionsbedarf für KI-Technologien treibt kurzfristig die Nachfrage an, was höhere Inflation und Leitzinsen zur Folge haben kann.
Dieser Effekt sei bereits in den USA zu beobachten.
Viertens: Es besteht das Risiko einer KI-bedingten Blase an den Aktienmärkten.
Eine scharfe Korrektur könnte sowohl die Geldpolitik als auch die Finanzstabilität gefährden, warnt Bunge.
Geschichte widerlegt Technologie-Arbeitslosigkeit
Historisch gesehen haben technologische Innovationen oft Arbeitsplatzunsicherheit geschaffen, doch die Gesamtarbeitslosigkeit ist nicht gestiegen.
Dieses Paradox erklärt sich durch Automatisierung, die zwar Arbeitsnachfrage reduziert, aber auch Produktivitätsgewinne und Wohlstand schafft.
Dies wiederum steigert die Nachfrage nach Arbeitskräften in neuen Sektoren.
Ein Beispiel sind Telefonistinnen im frühen 20. Jahrhundert: Obwohl ihre Jobs automatisiert wurden, fanden junge Frauen später neue Beschäftigung im Büro- und Dienstleistungssektor.
Aktuell zeigt sich in den USA und Schweden ein 'no hire, no fire'-Prinzip: Junge Menschen in KI-exponierten Berufen werden nicht entlassen, aber der Einstieg in den Arbeitsmarkt wird schwieriger.
Die Riksbank wird diese Entwicklung genau verfolgen.