Thedéen: Wertpapierkäufe bergen Unabhängigkeitsrisiken
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Thedéen: Wertpapierkäufe bergen Un­ab­hän­gig­keits­ri­si­ken

Erik Thedéen, Gouverneur der Riksbank, warnt vor den Risiken großangelegter Wertpapierkäufe. Solche Maßnahmen können die Marktfunktion beeinträchtigen und die Unabhängigkeit der Zentralbank gefährden, so seine Rede vor der Schwedischen Ökonomenvereinigung.

Hohe Schwelle für Wertpapierkäufe

Die Riksbank hat im Dezember des Vorjahres den Verkauf ihrer zuvor erworbenen Wertpapiere weitgehend abgeschlossen und ihre Bilanz auf eine normalere Größe zurückgeführt.

Gouverneur Erik Thedéen betont die Notwendigkeit, die Konsequenzen von Wertpapierkäufen genauer zu analysieren, insbesondere da die Leitzinsen wieder auf normalem Niveau liegen.

Er unterscheidet zwischen Maßnahmen zur Krisenprävention, die er nicht behandelt, und 'normaler', aber unkonventioneller Geldpolitik zur Inflationssteuerung.

Für Schweden betrifft dies die Perioden 2015–2019 und Ende 2020 bis Ende 2021, in denen Assetkäufe zur Stimulierung der Wirtschaft und zur Erreichung des Inflationsziels eingesetzt wurden.

Thedéen hebt hervor, dass die Riksbank eine hohe Schwelle für den Einsatz solcher Instrumente hat, da sie das Funktionieren des Marktes beeinträchtigen und Risiken für die Unabhängigkeit der Zentralbank mit sich bringen können.

Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass die Effekte auf die Realwirtschaft unsicherer sind als auf Finanzvariablen.

Das Rätsel des neutralen Zinsniveaus

Die Debatte über das zukünftige Niveau der allgemeinen Zinsen, insbesondere des neutralen Zinssatzes, bleibt in der akademischen Welt ungelöst.

Während eine Forschungsgruppe annimmt, dass der neutrale Zinssatz seit der Pandemie gestiegen ist und hoch bleiben wird, glaubt die andere, dass die strukturellen Kräfte, die ihn zuvor drückten, weiterhin stark sind.

Thedéen betont, dass Zentralbanken das normale Zinsniveau nicht kontrollieren können, da es von tieferen strukturellen Kräften wie der globalen Spar- und Investitionsneigung bestimmt wird.

Unabhängig davon, wie sich der neutrale Zins entwickelt, sei es entscheidend, die Vor- und Nachteile von quantitativen Lockerungsprogrammen (QE) zu verstehen.

Empirische Studien zeigen, dass QE klare Effekte auf Finanzvariablen wie Anleihe-, Aktien- und Immobilienpreise hat, die Auswirkungen auf BIP und Inflation jedoch unsicherer und kontextabhängiger sind.

Die Effekte sind in Krisenzeiten am stärksten und nehmen bei wiederholtem Einsatz ab.

Martin Flodéns Analyse für Schweden deutet darauf hin, dass die Käufe von Staatsanleihen die Renditen um mindestens 30 Basispunkte senkten, aber keine klaren Anzeichen für eine Reduzierung der Finanzierungskosten für Haushalte und Unternehmen zeigten, da der Portfolio-Balance-Kanal in Schweden möglicherweise unterbrochen war.

Mehr als nur ein Instrument

Die Erfahrungen mit Wertpapierkäufen zeigen, dass sie zwar in akuten Krisen stabilisierend wirken, ihr Nutzen in normalen Zeiten jedoch begrenzt ist.

Die Riksbank muss eine hohe Schwelle für ihren Einsatz beibehalten, da sie die Marktfunktion stören und die Glaubwürdigkeit der Zentralbank gefährden können.

Letztlich sind diese Instrumente keine Allheilmittel, sondern sollten als Ultima Ratio für außergewöhnliche Umstände reserviert bleiben.