Monetäres Gold überholt Euro als zweitgrößte Reservewährung
SARB Paper Read in English

Monetäres Gold überholt Euro als zweitgrößte Reservewährung

Monetäres Gold hat den Euro als zweitgrößte Reservewährung weltweit abgelöst. Zentralbanken, insbesondere aus Schwellen- und Entwicklungsländern, treiben die Nachfrage nach dem Edelmetall zur Diversifikation ihrer Portfolios.

Gold kehrt ins Zentrum der Reservepolitik zurück

Nach der Abschaffung des Bretton-Woods-Systems in den frühen 1970er-Jahren veräußerten Zentralbanken Gold zugunsten von Schuldverschreibungen.

Dieser Trend kehrte sich nach der globalen Finanzkrise 2007-08 um, als Zentralbanken, insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern, Gold als strategischen Vermögenswert zur Diversifizierung und zum Schutz vor geopolitischen Sanktionen wiederentdeckten.

Seit 2010 sind Zentralbanken generell Nettokäufer von Gold.

Die Nettokäufe stiegen von rund 500 Tonnen pro Jahr zwischen 2011 und 2021 auf 1.080 Tonnen im Jahr 2022, 1.051 Tonnen im Jahr 2023 und 1.089 Tonnen im Jahr 2024, bevor sie 2025 auf 850 Tonnen sanken.

China, die Türkei, Polen und Indien waren seit 2022 die Haupttreiber dieser erhöhten Nachfrage.

Der Goldpreis stieg parallel dazu stark an und erreichte 2025 einen Jahresdurchschnitt von 8.436 US-Dollar pro Feinunze, im Februar 2026 sogar 5.016 US-Dollar.

Geopolitik und Diversifikation treiben die Nachfrage

Die verstärkte Goldnachfrage ist primär auf geopolitische Unsicherheiten, Diversifikationsbestrebungen, den Ruf des Goldes als Inflationsschutz und De-Dollarisierungsbemühungen zurückzuführen.

Eine Umfrage des World Gold Council (Februar bis Mai 2026) zeigt eine deutliche Divergenz: 85 Prozent der Zentralbanken in Schwellen- und Entwicklungsländern sehen Gold als geopolitischen Diversifikator, verglichen mit nur 56 Prozent in fortgeschrittenen Volkswirtschaften.

Dies erklärt die jüngsten Käufe.

Viele dieser Länder sind im Vergleich zu Industrieländern noch untergewichtet, was die Erwartung steigender Goldreserven in den nächsten zwölf Monaten untermauert.

Polens Zentralbank plant beispielsweise, den Goldanteil auf 30 Prozent der gesamten Reserveaktiva zu erhöhen.

Ein Paradigmenwechsel in der Reservehaltung

Dieser Trend signalisiert eine fundamentale Neubewertung des Reservemanagements, weg von einer Überbetonung traditioneller Währungen.

Obwohl fortgeschrittene Volkswirtschaften weiterhin den Großteil der Goldreserven halten, deutet die anhaltende Nachfrage aus Schwellenländern auf eine dauerhafte Verschiebung hin.

Die Rolle des Goldes als geopolitisch neutraler und inflationsbeständiger Vermögenswert wird in einer unsicheren Welt zunehmend anerkannt.