SNB-Studie: Neue Methode für Kapazitätsauslastung in der Schweiz
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SNB-Studie: Neue Methode für Ka­pa­zi­täts­aus­las­tung in der Schweiz

Zwei Ökonomen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) haben eine neue Methodik zur Messung der gesamtwirtschaftlichen Kapazitätsauslastung entwickelt. Die Studie zeigt, dass diese neue Messgröße die Konjunkturlage der Schweiz präziser abbildet als bisherige Ansätze.

Heterogenität verzerrt das Gesamtbild

Die Kapazitätsauslastung ist ein zentraler Indikator für die konjunkturelle Lage einer Volkswirtschaft.

Bislang wurde sie oft durch die Auslastung des verarbeitenden Gewerbes angenähert.

Diese Methode vernachlässigt jedoch die zunehmende Heterogenität der sektoralen Entwicklungen, wie eine neue Studie der Schweizerischen Nationalbank (SNB) aufzeigt.

Andreas Bachmann und Elizabeth Steiner haben eine Methodik entwickelt, um eine gesamtwirtschaftliche Kapazitätsauslastungsreihe für die Schweiz zu schätzen.

Ihre Messung deckt elf Sektoren ab, die zwei Drittel der Schweizer Wirtschaft ausmachen, und basiert hauptsächlich auf Umfragedaten, die bis ins erste Quartal 1995 retropoliert wurden.

Die Autoren belegen, dass ihre aggregierte Reihe wertvolle Informationen für die Analyse der gesamten Wirtschaftsaktivität liefert und der alleinigen Nutzung der Kapazitätsauslastung im verarbeitenden Gewerbe überlegen ist.

Die Methodik kann zudem als Grundlage für die Konstruktion ähnlicher aggregierter Reihen in anderen Ländern dienen.

Umfragedaten statt Modellannahmen

Die SNB-Ökonomen konstruieren ihre aggregierte Messgröße hauptsächlich auf Basis von Umfragedaten der KOF Konjunkturforschungsstelle.

Dieser Ansatz bietet Vorteile gegenüber modellbasierten Methoden, da er Schätzfehler und Revisionen vermeidet und zeitnah verfügbar ist.

Fehlende Daten für einzelne Sektoren wurden bis ins erste Quartal 1995 retropoliert, um die sektorspezifische Heterogenität zu bewahren.

Für die Aggregation der elf sektoralen Kapazitätsauslastungsreihen werden die Anteile des Kapitalstocks verwendet.

Robustheitstests zeigen, dass die Gewichtung mit Kapitalstock- und Wertschöpfungsanteilen zu ähnlichen Ergebnissen führt.

Dies ist wichtig für die Übertragbarkeit der Methodik auf andere Länder, in denen sektorale Kapitalstockdaten möglicherweise nicht verfügbar sind.

Ein längst überfälliger Schritt

Diese Studie schließt eine wichtige Datenlücke für die Schweiz und liefert ein präziseres Bild der gesamtwirtschaftlichen Auslastung.

Die Abkehr von der alleinigen Fokussierung auf das verarbeitende Gewerbe ist angesichts der Struktur moderner Volkswirtschaften längst überfällig.

Für die SNB bedeutet dies eine verbesserte Grundlage für die Beurteilung der Konjunkturlage und die Ableitung geldpolitischer Maßnahmen.