Laboureix: Krisenmanagement muss Lücken schließen
SRB-Direktor Dominique Laboureix zieht Bilanz über ein Jahrzehnt Krisenmanagement-Reformen. Er sieht Erfolge, mahnt aber zur Schließung bestehender Lücken und zur Anpassung an neue Risiken wie Cyberangriffe und systemische NBFIs.
Resolution: Von der Theorie zur Praxis
Dominique Laboureix vom SRB würdigte die Erfolge der Krisenmanagement-Reformen nach der globalen Finanzkrise von 2008.
Die Einführung von Basel III und die FSB Key Attributes bildeten die Blaupause für den EU-Rahmen, der in der Bankenunion durch den Einheitlichen Abwicklungsmechanismus (SRM) umgesetzt wurde.
Dieser wurde 2015 etabliert, um Bankenabwicklungen effektiv und ohne Steuergelder zu ermöglichen.
Als Beweis führte Laboureix die Fälle Banco Popular Español (2017) und Sberbank Europe (2022) an, bei denen Verluste auf Aktionäre und Gläubiger umgelegt wurden und die Kosten für den Steuerzahler null betrugen.
Dies sei ein unvorstellbarer Erfolg im Vergleich zu den Billionen Euro an öffentlichen Hilfen, die die EU zwischen 2008 und 2017 für Finanzfirmen genehmigte.
Die Fähigkeit zur Abwicklung sei durch den Aufbau von über 2,6 Billionen Euro Verlustabsorptionskapazität in Banken und einem 81 Milliarden Euro starken Einheitlichen Abwicklungsfonds (SRF) sowie 150 jährlich aktualisierten Abwicklungsplänen geschaffen worden.
Die Post-2008-Reformen hätten das Vertrauen nach einem der schlimmsten Wirtschaftseinbrüche wiederhergestellt.
Unvollendete Bankenunion
Trotz der Erfolge der Vergangenheit sieht Laboureix die aktuellen Reformen noch nicht als vollständig positiv an.
Wesentliche Lücken in der Krisenmanagement-Architektur, wie die Liquidität in der Abwicklung oder das fehlende Europäische Einlagenversicherungssystem (EDIS), seien noch nicht geschlossen.
Auch die Einführung eines gemeinsamen Backstops für den Einheitlichen Abwicklungsfonds (SRF) über den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) sei noch nicht ratifiziert.
Die jüngste CMDI-Reform werde zwar begrüßt, reiche aber nicht aus, um die Bankenunion zu vollenden.
Der Mangel an einer gemeinsamen Einlagensicherung und einem öffentlichen Liquiditäts-Backstop benachteilige die Bankenunion gegenüber den USA oder Großbritannien, wie auch der IWF und der FSB bestätigten.
Laboureix warnte davor, dass Vereinfachungen nicht zu einer Untergrabung der Glaubwürdigkeit des Rahmens führen dürfen.
Neue Risiken, alte Regeln
Die Rede unterstreicht die Dringlichkeit, das Krisenmanagement an eine sich rasant wandelnde Finanzwelt anzupassen.
Während die Lehren aus 2008 erfolgreich umgesetzt wurden, sind die aktuellen Rahmenwerke unzureichend für Bedrohungen wie Cyberangriffe und die wachsende Systemrelevanz von Nichtbanken-Finanzinstituten.
Ohne mutige Schritte zur Schließung dieser Lücken und zur Ausweitung des Anwendungsbereichs droht das System bei der nächsten Krise erneut unvorbereitet zu sein.