Leitzins Selic auf 14,00 Prozent gesenkt
Die brasilianische Zentralbank hat den Leitzins Selic einstimmig auf 14,00 Prozent gesenkt. Das Protokoll der August-Sitzung betont jedoch, dass die hohe Inflation weiterhin eine länger anhaltende geldpolitische Straffung erfordert.
Einstimmige Senkung trotz Inflationsdruck
Der Währungsausschuss Copom reduzierte den Leitzins Selic einstimmig auf 14,00 Prozent pro Jahr.
Für die Entscheidung stimmten Präsident Gabriel Muricca Galípolo sowie die Ausschussmitglieder Santos, Vivan, Correa, David, Picchetti und Teixeira.
Trotz des Zinsschritts verdeutlicht das Sitzungsprotokoll erhebliche Sorgen über die Entankerung der Inflationserwartungen.
Laut der Focus-Umfrage liegen die Inflationsprognosen für 2026 bei 5,0 Prozent und für 2027 bei 4,2 Prozent – jeweils deutlich über dem Zielwert.
Die eigenen Projektionen der Notenbank sehen die Teuerung im Jahr 2026 bei 5,1 Prozent, im Jahr 2027 bei 3,8 Prozent und im ersten Quartal 2028 bei 3,2 Prozent.
Konjunkturelle Bremsspuren und fiskalische Risiken
Die brasilianische Wirtschaft zeigt Anzeichen einer schrittweisen Abkühlung, wenngleich der Arbeitsmarkt bei historisch niedriger Arbeitslosigkeit angespannt bleibt.
Der Copom hebt hervor, dass die Lohnsteigerungen weiterhin über dem Produktivitätswachstum liegen.
Zudem belasten globale Unsicherheiten durch Nahost-Konflikte und die US-Geldpolitik das außenwirtschaftliche Umfeld.
National mahnt das Gremium eine strikte Disziplin bei den Staatsfinanzen an.
Fehlende Strukturreformen und steigende Staatsausgaben könnten den neutralen Zins erhöhen und den desinflationären Prozess verteuern.
Ein Zinsschritt auf wackeligem Fundament
Die Zinssenkung erscheint angesichts entankerter Erwartungen gewagt.
Senkt der Copom die Zinsen bei Inflationsprognosen über dem Zielwert, schadet das der Glaubwürdigkeit.
Ohne strikte Fiskaldisziplin droht der Lockerungspolitik ein schnelles Ende.