Escrivá fordert offene Behördendaten für die Forschung
Notenbankgouverneur José Luis Escrivá hat am 4. September 2026 in Madrid die unverzichtbare Rolle granularer Haushaltsdaten für die Finanzstabilität hervorgehoben. Aggregierte Kennzahlen allein reichten nicht aus, um Risiken bei verschuldeten Haushalten frühzeitig zu erkennen.
Risiken im untersten Vermögensquartil
Beim 20-jährigen Jubiläum der spanischen Haushaltsfinanzstudie EFF würdigte Gouverneur José Luis Escrivá die Pionierleistung von Olympia Bover, deren Methodik auch für das Eurosystem prägend war.
Anhand der Verschuldungsdaten verdeutlichte Escrivá den Nutzen mikroökonomischer Erhebungen: Zwar sank die mediane Verschuldung privater Haushalte in Spanien zwischen 2014 und 2024 von rund 55.000 auf 30.000 Euro.
Gleichzeitig verschoben sich jedoch die Risiken.
Im untersten Vermögensquartil machen Personalkredite mittlerweile rund 23 Prozent der Gesamtschulden aus – ein Anstieg um 17 Prozentpunkte.
Wer makroprudenzielle Vorgaben wie LTV- oder LSTI-Grenzen ohne Verteilungsanalysen verhänge, riskiere erhebliche Verwerfungen, so der Notenbankchef.
Rechenpower ersetzt keine Primärdaten
Escrivá forderte von der öffentlichen Verwaltung ein Umdenken beim Datenaustausch.
Daten seien ein öffentliches Gut und müssten Forschern ohne Beschränkungen zugänglich gemacht werden.
Künftig solle die EFF verstärkt Verhaltensaspekte bei Haushaltsentscheidungen untersuchen, die Registerdaten nicht abbilden.
Neue Analysemethoden wie künstliche Intelligenz böten zwar Chancen, um komplexe Muster aufzudecken, seien jedoch auf empirische Primärdaten angewiesen: „Der wesentliche Engpass für künftige Fortschritte sind Daten, nicht Rechenleistung“, betonte Escrivá.
Datensilos endlich aufbrechen
Escrivás Plädoyer legt den Finger in eine offene Wunde der europäischen Wirtschaftspolitik.
Solange Behörden ihre Datenbestände eifersüchtig hüten, bleiben selbst ausgefeilte KI-Modelle wirkungslos.
Der geforderte freie Datenzugang muss nun zur verbindlichen Pflicht für alle staatlichen Verwaltungen werden.