Datenbank misst geopolitisches Risiko aus nationalen Medien
Eine neue Datenbank des Banco de España misst das geopolitische Risiko für 34 Länder. Sie nutzt textuelle Analysen nationaler Medien, um Intensität und Ursprung geopolitischer Spannungen zu erfassen.
Mediennarrative als Seismograph für Spannungen
Das Occasional Paper des Banco de España präsentiert eine umfassende Datenbank für geopolitisches Risiko (GPR) in 34 Ländern, basierend auf einem neuartigen Rahmenwerk zur Textanalyse.
Es werden sowohl allgemeine als auch bilaterale GPR-Indizes erstellt, die die Intensität und den Ursprung geopolitischer Spannungen widerspiegeln, wie sie in nationalen Mediennarrativen wahrgenommen werden.
Die Methodik nutzt einen wörterbuchbasierten Ansatz, angewendet auf nationale Presseartikel der Factiva-Plattform, wobei die Suchanfragen in 15 Sprachen übersetzt wurden, um sprachliche und kulturelle Relevanz zu gewährleisten.
Bilaterale Indizes konzentrieren sich auf vier Schlüsselregionen – Russland, China, den Nahen Osten und Nordafrika (MENA) sowie den Westblock – und erfassen, wie jedes Land externe geopolitische Bedrohungen wahrnimmt.
Dieser hochfrequente Datensatz, der etwa 78 Prozent des globalen BIP abdeckt, wird durch statistische Robustheitsprüfungen und narrative Analysen von Indexspitzen validiert und bietet ein skalierbares, global repräsentatives Werkzeug.
Jenseits westlicher Perspektiven
Die Studie schließt eine kritische Lücke in der bestehenden Messung geopolitischer Risiken.
Während wegweisende Arbeiten wie der GPR-Index von Caldara und Iacoviello (2022) einen globalen Index etablierten, spiegelt dieser primär eine westliche Perspektive wider.
Der hier vorgestellte Ansatz, im Einklang mit den Erkenntnissen von Bondarenko et al. (2024) und Alonso-Alvarez et al. (2025), betont die Bedeutung lokaler Sprachquellen und bilateraler Indizes.
Diese ermöglichen ein granulareres Verständnis länderspezifischer Narrative und der genauen Kanäle, über die geopolitische Risiken in die heimischen Volkswirtschaften übertragen werden.
Die Datenbank eröffnet somit neue empirische Anwendungen in Makroökonomie, Finanzwesen und internationalen Beziehungen und ergänzt bestehende Messgrößen.
Ein längst überfälliges Instrument
Diese Datenbank füllt eine kritische Lücke, indem sie eine nicht-westlich zentrierte Sicht auf geopolitische Risiken bietet.
Ihre granularen, bilateralen Indizes liefern politischen Entscheidungsträgern und Forschern ein mächtiges Werkzeug zum Verständnis komplexer Risikotransmissionskanäle.
Die methodische Stärke und globale Abdeckung machen sie zu einem unverzichtbaren Instrument für die Analyse zukünftiger Krisen.