Notenbanken publizieren weit über gesetzliche Pflichten hinaus
BDE Studie

Notenbanken publizieren weit über gesetzliche Pflichten hinaus

Eine Vergleichsstudie von Mihai-Vasile Cîrjă und Jordi Romeu Granados für 35 Zentral- und Aufsichtsbanken belegt: 97 Prozent veröffentlichen freiwillig mehr Daten als gesetzlich vorgeschrieben. Transparenz entwickelt sich damit von der Pflichtübung zum strategischen Führungsinstrument.

Freiwillige Offenlegung übertrifft gesetzliche Vorgaben

Die im Rahmen des Schuman-Programms der EZB erstellte Studie analysiert 30 EU-Institutionen sowie fünf außereuropäische Behörden.

Zwar unterliegen 97 Prozent der befragten Notenbanken und Aufsichtsbehörden verbindlichen nationalen Transparenzgesetzen, doch alle 30 EU-Teilnehmer publizieren zusätzliche Informationen auf freiwilliger Basis.

Während finanzielle Pflichten wie Jahresabschlüsse bei 90 Prozent der Institute gesetzlich strikt reguliert sind, klaffen bei organisatorischen Angaben wie Sitzungskalendern oder Gehältern der Führungsebene Lücken.

70 Prozent verfügen über Strategien für zielgruppengerechte Sprache.

Zudem setzen 90 Prozent auf Medienbeobachtung zur Abwehr von Falschinformationen und Identitätsdiebstahl.

Zwischen Bürgerdialog und technologischer Zurückhaltung

Die Rechenschaftspflicht stützt sich auf ein vielschichtiges Netz: 100 Prozent der Institute verfügen über geschützte Hinweisgebersysteme und unterstehen parlamentarischer Kontrolle, während 77 Prozent Konsultationen bei Regulierungen nutzen.

Bei neuen Technologien agieren die Behörden zögerlich: Nur 17 Prozent nutzen künstliche Intelligenz für Transparenzpflichten, und lediglich 37 Prozent lassen ihre Transparenz unabhängig evaluieren.

Die Autoren schlagen den Governance-, Accountability- und Transparenz-Index (GATI) als Reifegradmodell vor.

Guter Wille ersetzt keine Kontrolle

Die Studie dokumentiert eindrucksvoll den Wandel von früherer Verschlossenheit zu aktiver Kommunikation.

Dass fast zwei Drittel der Institute auf unabhängige Überprüfungen verzichten, offenbart jedoch eine Schwachstelle.

Echte Legitimität erfordert systematische Evaluierung statt bloßer freiwilliger Veröffentlichungen.

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