Hall und Woodford zeigen, wie Erwartungen Geldpolitik prägen
Robert E. Hall und Michael Woodford erhalten den Wirtschaftsnobelpreis 2026. Die Banco de España erläutert am 21. Oktober 2026, wie ihre Forschung zu Erwartungen die Modelle und die Geldpolitik von Zentralbanken prägt.
Künftige Einkommen, heutige Entscheidungen
Die US-Ökonomen Robert E. Hall von der Universität Stanford und Michael Woodford von der Universität Columbia erklären, wie Erwartungen Konsum, Beschäftigung und Preise beeinflussen.
Hall zeigte 1978, dass Haushalte ihren Konsum anpassen, wenn neue Informationen ihre Erwartungen zum künftigen Einkommen verändern.
Seine Arbeitsmarktforschung erklärt durch Such- und Einstellungsfriktionen, warum Arbeitslosigkeit auch bei einer Erholung anhält.
Woodford zeigt, dass neben aktuellen Zinsen auch deren erwarteter Verlauf Konsum, Investitionen und Preissetzung beeinflusst.
Kommunizieren Zentralbanken ihren künftigen Kurs, passen Haushalte und Unternehmen ihre Pläne bereits heute an.
Glaubwürdigkeit und Kommunikation gehören damit zum geldpolitischen Wirkungsmechanismus.
Von Keynes zu Erwartungsmodellen
John Maynard Keynes legte 1936 Grundlagen der modernen Makroökonomie.
Auf die neoklassische Synthese folgte nach der Stagflation der 1970er Jahre die stärkere Ausrichtung auf individuelles Verhalten und Erwartungen.
Hall prägte die neue klassische Makroökonomie, Woodford den Neukeynesianismus mit Preisrigiditäten und anderen Friktionen.
Nach der Finanzkrise 2007–2008 und späteren Inflationsphasen erhielten Finanzfaktoren, Risiken und Unsicherheit mehr Gewicht.
Woodfords Forschung fundiert Zinsregeln und explizite Inflationsziele.
Der aktuelle Zins allein genügt nicht
Nach Darstellung des Beitrags greift eine Betrachtung allein des aktuellen Leitzinses zu kurz.
Erwartungen verbinden heutige Entscheidungen mit dem künftigen geldpolitischen Kurs.
Die Forschung beider Preisträger bildet einen Bestandteil der Modelle, mit denen Zentralbanken Inflation und Konjunktur untersuchen.