Ölangebotsschocks erzeugen persistente Inflationsrisiken
Eine neue Studie der Banco de España untersucht die asymmetrische Übertragung von Ölangebotsschocks auf die Inflationsverteilung in den USA, im Euroraum und im Vereinigten Königreich. Die Autoren zeigen, dass vor allem die oberen Inflationsquantile nachhaltig ansteigen.
Asymmetrische Risiken für die Preisstabilität
Ökonomen der Banco de España untersuchen in einem neuen Working Paper die Wirkung von Ölangebotsschocks auf die Inflationsverteilung in den USA, im Euro-Raum und im Vereinigten Königreich.
Mittels quantiler lokaler Projections und Hochfrequenzdaten zeigen sie eine markante Asymmetrie auf: Während die Median-Reaktionen nach rund einem Jahr abklingen, verbleibt der 90. Quantil-Wert der Inflation deutlich länger auf erhöhtem Niveau.
Die Untersuchung stützt sich auf monatliche Daten von 1975 bis 2025 und nutzt OPEC-Ankündigungen als exogene Instrumente.
Damit wirken Ölpreisschocks als strukturelle Innovationen, die die Schiefe der Inflationsverteilung nachhaltig verändern und geldpolitische Herausforderungen schaffen.
Zustandsabhängige Preisanpassungen
Die Autoren führen die beobachteten Effekte auf eine zustandsabhängige Preissetzung zurück.
Durch nichtlineare Preisanpassungen von Unternehmen werden positive Schocks verstärkt, was die Inflationserwartungen gefährden kann.
Für die Zentralbanken bedeutet dies, dass sie nicht nur den Mittelwert, sondern die gesamte Verteilung der künftigen Preissteigerungen überwachen müssen.
Ein aktives geldpolitisches Eingreifen kann demnach gerechtfertigt sein, um Zweiteffekte zu verhindern und das Vertrauen in die Stabilität zu sichern.
Warnsignal für Notenbanken
Die Studie liefert einen überfälligen Blick auf die Verteilungsrisiken der Geldpolitik.
Methodisch überzeugend entlarvt sie die Mängel einer rein medianbasierten Steuerung.
Zentralbanken ignorieren diese oberen Inflationsrisiken fortan auf eigene Gefahr.