Zölle treffen Chinas BIP sechsmal stärker als US-Wirtschaft
Ein reziproker Zollaufschlag von 10 Prozentpunkten zwischen den USA und China trifft Produktion und Preise asymmetrisch. Eine Modellstudie der spanischen Zentralbank zeigt, dass globale Lieferketten und Dollar-Fakturierung die chinesischen Produktionsverluste massiv verstärken.
Inflation für Washington, Produktionseinbruch für Peking
Ökonomen der Banco de España und der EZB modellieren die Transmission eines Handelskriegs über 44 Sektoren und vier Wirtschaftsräume.
Ein reziproker Zoll von 10 Prozentpunkten auf 20 verarbeitende Sektoren erzeugt eine asymmetrische Lastenverteilung: Die USA als zollsetzendes Land tragen die primäre Inflationslast mit einem anfänglichen Anstieg der Verbraucherpreise um 0,13 Prozentpunkte.
In China bricht primär die reale Produktion ein: Das chinesische BIP schrumpft auf kurze Sicht um 0,24 Prozent, während das US-BIP lediglich um 0,04 Prozent nachgibt.
Während US-Haushalte durch verteuerte Importpreise Kaufkraft einbüßen, wird das US-BIP durch Ausgabenverlagerung und Zolleinnahmen-Transfers von 0,2 bis 0,3 Prozent des BIP abgefedert.
Netzwerkeffekte und die Dollar-Falle
Zwei Mechanismen verstärken den Schock: Produktionsnetzwerke und Währungsfakturierung.
Weil Vorleistungen über mehrstufige Lieferketten laufen, überträgt sich der Nachfrageausfall tief in Chinas Binnenwirtschaft.
Zugleich dämpft die vorherrschende Fakturierung in US-Dollar den Wechselkurspuffer: Chinas BIP-Verlust über drei Jahre fällt um rund 30 Prozent höher aus als bei Preissetzung in Inlandswährung.
Für den Euroraum heben sich positive Handelsumlenkungen in die USA und Einbußen im Chinahandel weitgehend auf.
Bilateraler Protektionismus greift zu kurz
Die Annahme, Zölle könnten gezielt heimische Branchen abschirmen, erweist sich als Illusion.
Über Vorleistungsketten fressen Kostenüberwälzungen die anfänglichen Sektorgewinne im US-Markt wieder auf.
Ohne Berücksichtigung der weltweiten Dollar-Fakturierung greift jede handelsbezogene Risikobewertung zu kurz.