Zehn Prozent mehr Abgase mindern Hauspreise um 0,65 Prozent
Eine neue Studie der Banco de España zeigt, dass eine höhere Stickstoffdioxid-Belastung die Wohnimmobilienpreise in Madrid spürbar drückt. Ein Anstieg der Luftverschmutzung um zehn Prozent reduziert den Quadratmeterpreis im Schnitt um 0,65 Prozent beziehungsweise rund 1.327 Euro.
Verhängnisvolle Inversionswetterlagen
Die Ökonomin Marina Gómez-García analysiert in dem Arbeitspapier den kausalen Effekt von Stickstoffdioxid auf den Immobilienmarkt in Madrid.
Um Endogenitätsprobleme wie verbesserte ÖPNV-Anbindungen zu umgehen, nutzt die Autorin Temperaturinversionen als natürliches Experiment.
Die Ergebnisse belegen, dass ein Anstieg der Luftverschmutzung um zehn Prozent die Preise von Eigentumswohnungen um 0,65 Prozent drückt.
Bei einer längeren Betrachtung von sechs beziehungsweise neun Monaten verstärkt sich der Effekt auf 0,99 Prozent und 1,25 Prozent.
Zudem zeigt sich eine deutliche Nicht-Linearität: Während gering verschmutzte Gebiete kaum Preisreaktionen aufweisen, fällt der Wertverlust in stark belasteten Quartieren besonders hoch aus.
Zudem sinkt dort das Transaktionsvolumen um 3,19 Prozent.
Einkommen und Kinder verstärken den Effekt
Die Studie offenbart erhebliche Unterschiede zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen.
In Stadtvierteln mit höherem Einkommen und besserem Ausbildungsniveau preisen Käufer die Umweltbelastung mehr als doppelt so stark ein wie in einkommensschwächeren Gegenden.
Auch der Anteil von Kindern im Haushalt verstärkt die Preissensitivität deutlich.
Für die Analyse bietet Madrid einen idealen Rahmen: Mit einer Wohneigentumsquote von rund 70 Prozent schlagen Immobilienwerte im Vergleich zu Städten wie Berlin oder Paris besonders stark auf das Vermögen der Privathaushalte durch.
Methodisch stark mit blinden Flecken
Die kluge Instrumentierung macht das Papier zu einem starken Plädoyer für ambitionierte Umweltzonen.
Mangels Daten zu Objektzustand und Stockwerk bleibt die makroökonomische Preisschätzung jedoch unpräzise.
Für die Immobilienpraxis liefert die Arbeit dennoch eine überzeugende Quantifizierung von Umweltrisiken.