Politikunsicherheit dämpft BIP und treibt Lateinamerikas Inflation
Schocks bei der nationalen Wirtschaftspolitik-Unsicherheit dämpfen das BIP-Wachstum und heizen die Teuerung an. Eine Studie für Brasilien, Chile, Kolumbien, Mexiko und Peru von 2005 bis 2025 belegt, dass die Effekte wie ein Angebotsschock wirken und Abschwünge verschärfen.
Doppelte Belastung für Zentralbanken
Die empirische Auswertung von 1.205 Monatsbeobachtungen in Brasilien, Chile, Kolumbien, Mexiko und Peru zwischen 2005 und 2025 zeigt deutliche Bremsspuren.
Um Verzerrungen durch globale Trends auszuschließen, bereinigten die Autoren die nationale Unsicherheit um Schocks aus den USA und China.
Ein orthogonaler Anstieg der wirtschaftspolitischen Unsicherheit um eine Standardabweichung senkt das reale BIP über acht Monate um rund 0,3 Prozent.
Gleichzeitig steigt die Inflationsrate um 0,13 Prozentpunkte.
Dieser simultane Effekt aus Kontraktion und Preisauftrieb stellt Zentralbanken vor ein Dilemma, da die Unsicherheit wie ein negativer Angebotsschock wirkt und die geldpolitische Steuerung erschwert.
Finanzmärkte reagieren sofort, Realwirtschaft verzögert
Die Übertragung verläuft zweistufig: Kurzfristig dominieren Finanzmarktreaktionen mit Währungsabwertungen von kumulativ 3 Prozent sowie steigenden CDS-Prämien.
Mittelfristig dämpfen sinkende Wachstumserwartungen und ein Rückgang des Verbrauchervertrauens um 6 Prozent die Realwirtschaft.
Quantilsregressionen zeigen zudem starke Asymmetrien: In Abschwungphasen bricht das BIP-Wachstum im zehnten Perzentil um 0,8 Prozentpunkte ein, während bei hoher Teuerung das 90. Perzentil der Inflation um bis zu 25 Basispunkte zulegt.
Teure politische Selbstblockade
Hausgemachte politische Unberechenbarkeit untergräbt die Stabilität in Schwellenländern spürbar.
Besonders das Entankerungsrisiko der Inflationserwartungen in ohnehin fragilen Phasen wiegt schwer.
Fiskalische Disziplin und verlässliche Rahmenbedingungen erweisen sich damit als zwingende Pflichtaufgabe.