Rüstungsausgaben wirken erst nach vier Jahren auf das BIP
Militärausgaben stärken das Wachstum erst mit mehrjähriger Verzögerung und bleiben transitorisch. Eine Studie der Banco de España auf Basis spanischer Beschaffungsverträge von 1991 bis 2023 zeigt, dass der fiskalische Multiplikator erst im fünften Jahr seinen Höchstwert von 1,3 erreicht.
Vier Jahre Warten auf den Wachstumsimpuls
Mario Alloza, Rubén Domínguez-Díaz, Pau Durá und Iacopo Varotto untersuchen anhand sämtlicher spanischer Rüstungsverträge von 1991 bis 2023 die makroökonomischen Effekte militärischer Beschaffung.
Die Autoren zeigen, dass Verteidigungsausgaben in den ersten zweieinhalb Jahren statistisch keinen messbaren Einfluss auf das Bruttoinlandsprodukt haben.
Erst vier Jahre nach Auftragsvergabe erreicht der BIP-Zuwachs bei Investitionsgütern seinen Spitzenwert von rund 3,0 Prozent, ehe der Effekt im sechsten Jahr wieder abebbt.
Der gesamte fiskalische Multiplikator verharrt in den ersten beiden Jahren nahe null, klettert im fünften Jahr auf 1,31 und pendelt sich im siebten Jahr bei 0,86 ein.
Panzer schaffen kein Infrastrukturkapital
Die Verzögerungen wurzeln in langen Vorlaufzeiten: Zwischen Vertragsabschluss und Produktionsbeginn vergehen im Schnitt 2,9 Jahre, während die statistische Erfassung erst bei Auslieferung erfolgt.
Ein kalibriertes DSGE-Modell belegt, dass Rüstungsausgaben anders wirken als Infrastrukturprojekte.
Sie schaffen kein produktives Staatskapital, sondern generieren nur temporäre Spillovers während der Produktion.
Bei Aufträgen an ausländische Lieferanten verpufft der fiskalische Impuls laut EU-Daten komplett.
Teure Illusion schneller Rendite
Wer Rüstungsmilliarden als schnelle Konjunkturspritze anpreist, ignoriert die Trägheit militärischer Beschaffungsprozesse.
Ohne gestraffte Vorlaufzeiten nach US-Vorbild verpufft der fiskalische Impuls in jahrelangen Planungsphasen.
Für europäische Budgetplaner taugt Aufrüstung daher kaum als Mittel zur akuten Wachstumsbelebung.