Asymmetrische Inflationsrisiken verlangen frühere Zinsreaktionen
Eine Studie von Andrea De Polis, Leonardo Melosi und Ivan Petrella zeigt, dass asymmetrische Inflationsrisiken stagflationär wirken. Die Autoren empfehlen eine risikoadjustierte Geldpolitik, die Zinsen früher strafft, um Erwartungen bei Angebotsstörungen zu stabilisieren.
Der Keil zwischen Erwartung und Modus
Veränderungen in der Asymmetrie künftiger Schocks wirken über Erwartungsanpassungen unmittelbar auf die Gesamtwirtschaft.
Ein Anstieg der Aufwärtsrisiken bei der Kerninflation treibt Preise nach oben und schwächt die reale Nachfrage, selbst wenn das wahrscheinlichste Szenario unverändert bei null verbleibt.
De Polis, Melosi und Petrella belegen über ein Äquivalenztheorem, dass sich diese Schiefe als Erwartungsschock in linearen Modellen abbilden lässt.
Anhand von US-Daten von 1960 bis 2024 zeigt das Papier, dass positive Schiefe eng mit Angebotsengpässen und globaler Handelsfragmentierung mit einer Korrelation von 0,55 zusammenhängt.
Aufwärtsrisiken erzeugen somit klassische stagflationäre Muster, auf die Zentralbanken reagieren müssen.
Drei Quartale Vorsprung für die Zinswende
Auf Basis ihrer Ergebnisse entwickeln die Forscher das Konzept des „Risk-Adjusted Inflation Targeting“.
Dabei steuert die Notenbank über den Zinspfad und gezielte Forward Guidance aktiv gegen asymmetrische Risiken an.
Im Kontrafaktum zur US-Geldpolitik nach 2020 hätte dieser Ansatz ab dem zweiten Quartal 2021 gegriffen – rund drei Quartale vor dem tatsächlichen Zinsschritt der Federal Reserve.
Die Zinsspitze wäre zwei Quartale früher erreicht worden, gefolgt von einer rechtzeitigen Normalisierung im Jahr 2024.
Pragmatischer Hebel gegen die Zögerlichkeit
Die Studie liefert eine elegante Begründung für präventive Zinsstraffungen bei schiefen Inflationsrisiken.
Operativ steht und fällt die Methode jedoch mit der Qualität der zugrundeliegenden Echtzeit-Schätzungen.
Für Zentralbanken bietet der Ansatz dennoch ein wirksames Werkzeug gegen verspätete geldpolitische Reaktionen.