Villeroy de Galhau: Geldpolitik muss sich drei Herausforderungen stellen
Der Gouverneur der Banque de France, François Villeroy de Galhau, zieht eine Bilanz der Geldpolitik des letzten Jahrzehnts. Er betont die Effektivität der Zentralbanken, die sich jedoch zunehmend drei Herausforderungen stellen müssen: ihrem Mandat, ihren Instrumenten und ihrer Unabhängigkeit.
2-Prozent-Ziel: Kein Raum für Kompromisse
Villeroy de Galhau bekräftigt den Konsens über das 2-Prozent-Inflationsziel als primäres Mandat der Zentralbanken.
Die strategische Überprüfung des Eurosystems von 2021 habe die Symmetrie des Ziels unmissverständlich klargestellt.
Die Inflationswelle 2022-23 habe zudem die Debatte über ein höheres Inflationsziel beendet, da die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Kosten einer höheren Teuerung deutlich wurden.
Er argumentiert, dass ein 'Allwetter'-Rahmen erforderlich sei, der nicht bei jedem Schock angepasst werde.
Andere Ziele wie Ungleichheit oder Klimawandel widersprächen dem Fokus auf Preisstabilität nicht, da Inflation einkommensschwache Haushalte am stärksten treffe und Klimarisiken die Preisstabilität direkt beeinflussten.
Die grüne Transformation könne sogar helfen, inflationäre Schocks abzumildern.
Instrumente: Effizienz vor Konvention
Die Interaktion zwischen Finanz- und Preisstabilität sei komplex und könne zu Zielkonflikten führen.
Makroprudenzielle Instrumente bildeten zwar die erste Verteidigungslinie, ihre Effizienz sei jedoch schwer zu beurteilen.
Villeroy de Galhau betont, dass jeder Aufgabenbereich effektiver erfüllt werden müsse, um Spannungen zu minimieren.
Die geldpolitischen Instrumente hätten sich in den letzten zehn Jahren stark verändert.
Nicht-konventionelle Instrumente wie Bilanzprogramme (QE, TLTROs) und negative Zinsen seien in Krisenzeiten notwendig gewesen.
Er weist die Behauptung zurück, diese Instrumente seien für die Rückkehr der Inflation verantwortlich, und plädiert für eine differenzierte Bewertung.
Bilanzinstrumente hätten sich als wirksam erwiesen, insbesondere zur Sicherung der Transmissionsmechanismen oder zur Bereitstellung zusätzlicher geldpolitischer Spielräume.
Lehren aus einem turbulenten Jahrzehnt
Die Zentralbanken haben in einem turbulenten Jahrzehnt ihre Glaubwürdigkeit gestärkt, müssen aber ihre Rolle klar definieren.
Eine präzise Abgrenzung von Mandat und Instrumenten ist entscheidend, um zukünftige Herausforderungen zu meistern.
Nur so kann die Geldpolitik ihre Wirksamkeit behalten und ihre Unabhängigkeit wahren.