Villeroy de Galhau: Bankenaufsicht muss sich neu ausrichten
Banque de France-Gouverneur François Villeroy de Galhau zieht Bilanz über ein Jahrzehnt Bankenaufsicht. Er fordert eine Neuausrichtung angesichts neuer Risiken wie KI und Geopolitik.
Gefestigte Resilienz nach umfassenden Reformen
Die europäische Bankenaufsicht hat in den letzten zehn Jahren umfassende Reformen abgeschlossen, darunter die Finalisierung von Basel III (2017, EU-Umsetzung CRR 3/CRD 6 in 2024) und Solvency II. Dies führte zu einer signifikanten Stärkung der Eigenkapitalquoten: Französische Großbanken erhöhten ihre CET1-Quote von durchschnittlich 12,5% (2015) auf 15,6% (Ende 2025).
Auch Versicherer steigerten ihre Solvenzmargen.
Rigorose Stresstests bestätigten die Robustheit des Sektors.
Die EU-weite Simulation 2025 zeigte, dass selbst unter einem sehr adversen Szenario die aggregierte CET1-Quote französischer Banken von 15,9% auf 10,5% fallen, aber alle regulatorischen Anforderungen weiterhin erfüllt würden.
Diese Resilienz bewährte sich in beispiellosen Schocks wie der Covid-Pandemie, dem Ukraine-Krieg, dem Zinsanstieg 2022-24 und der Bankenkrise 2023 (SVB, Credit Suisse).
Villeroy de Galhau betont, dass der Sektor ausreichend kapitalisiert ist und keine zusätzlichen Anforderungen nötig sind.
Neue Horizonte: Von Brexit bis zur generativen KI
Die letzten zehn Jahre waren von vier großen Entwicklungen geprägt: Erstens, der Brexit, der 60 Finanzinstitute und 2.500 Jobs nach Paris verlagerte.
Zweitens, der Klimawandel, bei dem die ACPR mit dem ersten globalen Klimastresstest 2020-21 und ihrer NGFS-Rolle führend war.
Drittens, die digitale Revolution: MiCA-Verordnung (2023) für Krypto-Assets, Vorbereitung des digitalen Euro und DORA-Verordnung (2025-26) für Cybersicherheit, die als systemisches Risiko gilt.
Generative KI fordert schnelle Reaktion.
Viertens, die Rückkehr der Geopolitik, die Multilateralismus untergräbt und Europas finanzielle und technologische Souveränität erfordert.
Weniger ist mehr: Pragmatismus für die Zukunft
Angesichts der gefestigten Resilienz des Sektors fordert Villeroy de Galhau eine stärkere Betonung von Vereinfachung und Wettbewerbsfähigkeit.
Er kritisiert komplexe Regeln und überlappende Verfahren, die den europäischen Finanzsektor belasten und die Vollendung der Bankenunion behindern.
Zudem muss die Finanzwelt die digitale Transformation aktiv mitgestalten, insbesondere bei Tokenisierung und KI, um nicht abgehängt zu werden.