Carry Trades: Wechselkursvolatilität entscheidet über Erfolg
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Carry Trades: Wechselkursvolatilität entscheidet über Erfolg

Carry-Trade-Strategien, die auf Zinsdifferenzen zwischen Währungen setzen, werden oft durch unvorhersehbare Wechselkursschwankungen zunichtegemacht. Eine Studie der Banque de France zeigt, dass die Volatilität des Wechselkurses den erwarteten Gewinn vollständig aufheben oder verstärken kann.

Zinsdifferenz als trügerische Basis

Carry Trades nutzen Zinsunterschiede, indem in Währungen mit niedrigen Zinsen geliehen und in solchen mit hohen Zinsen investiert wird.

Das zugrunde liegende Prinzip der ungedeckten Zinsparität besagt, dass höhere Zinsen langfristig durch eine Währungsabwertung kompensiert werden.

Kurzfristig ist dies jedoch oft nicht der Fall, was Arbitragemöglichkeiten eröffnet.

Die Banque de France analysiert die verbreitete Strategie, japanische Yen zu leihen und in mexikanische Pesos zu investieren, die 2024 eine Zinsdifferenz von fast zehn Prozentpunkten bot.

Trotz anfänglicher Gewinne führte die plötzliche Abwertung des Pesos nach der mexikanischen Präsidentschaftswahl im Juni 2024 und eine unerwartete Zinserhöhung der japanischen Zentralbank im Folgemonat zu erheblichen Verlusten.

Erst ab Mitte 2025 erholte sich der Peso, und die Strategie wurde wieder profitabel.

Dies verdeutlicht, wie stark die Wechselkursvolatilität die Performance beeinflusst.

Volatilität neu bewerten: Der Carry-Vol-Ansatz

Der erwartete Gewinn eines Carry Trades hängt nicht allein von der Zinsdifferenz ab, sondern maßgeblich vom Wechselkursrisiko.

Die Studie betont, dass die Volatilität der Währungspaare den Ertrag vollständig absorbieren oder verstärken kann.

Um relevantere Investitionsmöglichkeiten zu identifizieren, sollte das Verhältnis von Zinsdifferenz zur Wechselkursvolatilität, der sogenannte Carry-Vol-Ratio, berücksichtigt werden.

Dieser Ansatz zeigt, dass nicht nur hochvolatile Schwellenländerwährungen, sondern auch G10-Währungspaare attraktive Carry-Trade-Möglichkeiten bieten können.

Beispielsweise war es seit Januar 2024 profitabler, sich in Schweizer Franken zu finanzieren und in US-Dollar zu investieren, als in US-Dollar zu finanzieren und in mexikanische Pesos zu investieren, obwohl letzteres eine größere Zinsdifferenz aufwies.

Trugschluss der Zinsdifferenz

Die Studie der Banque de France entlarvt den Trugschluss, Carry Trades primär über Zinsdifferenzen zu bewerten.

Sie unterstreicht, dass die oft unterschätzte Wechselkursvolatilität das entscheidende Kriterium für Erfolg oder Misserfolg ist.

Für Anleger bedeutet dies eine stärkere Fokussierung auf Risikomanagement und eine Abkehr von simplen Zinsarbitrage-Ansätzen.

Quelle: Carry trades and volatility risk

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