Eurozone: Preise reagierten im Inflationsschub flexibler
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Eurozone: Preise reagierten im Inflationsschub flexibler

Eine neue Studie der Banque de France zeigt, dass die Preise in der Eurozone während des Inflationsschubs von 2021 bis 2024 flexibler reagierten. Die monatliche Frequenz der Preisänderungen stieg 2022 auf 12 Prozent.

Preise passten sich schneller an

Eine neue Studie der Banque de France, basierend auf 190 Millionen Preisdaten aus neun Euro-Ländern, belegt eine signifikante Zunahme der Preisflexibilität während des Inflationsschubs 2021-2024.

Die monatliche Frequenz der Preisänderungen stieg von durchschnittlich 8 Prozent vor der Pandemie auf 12 Prozent im Jahr 2022 und erreichte im Januar 2023 einen Höchststand von fast 16 Prozent.

Dieser Anstieg war primär auf häufigere Preiserhöhungen zurückzuführen, während die durchschnittliche Höhe der Preisänderungen nur marginal variierte.

Die Preisanpassungen erfolgten schneller bei Lebensmitteln und industriellen Gütern ohne Energie, während die Frequenz bei Dienstleistungen auch 2024 erhöht blieb.

Produkte mit einem höheren Anteil importierter Energiekosten zeigten eine stärkere Reaktion.

Steilere Phillips-Kurve durch Preisflexibilität

Die Ergebnisse der Studie stimmen mit Modellen zustandsabhängiger Preisgestaltung überein: Die Wahrscheinlichkeit einer Preisanpassung steigt mit der Lücke zwischen tatsächlichen und optimalen Preisen.

Dies deutet auf eine Versteilerung der Phillips-Kurve hin.

Während des Inflationsschubs trug die Häufigkeit der Preisänderungen ('extensive margin') stärker zur Inflationsdynamik bei als die Größe der Änderungen ('intensive margin').

In einem Umfeld höherer Inflation passen Unternehmen ihre Preise häufiger an, was die Gesamtinflation stärker beeinflusst.

Diese erhöhte Preisflexibilität macht die Inflation empfänglicher für geldpolitische Maßnahmen.

Ein temporärer, aber wichtiger Effekt

Die Studie liefert einen wichtigen Einblick in die Inflationsdynamik, indem sie die Rolle der Preisflexibilität quantifiziert.

Ohne die erhöhte Anpassungsfrequenz hätte der Inflationshöhepunkt um fast einen Prozentpunkt niedriger gelegen.

Dies unterstreicht, dass die Reaktion der Preise selbst ein relevanter Faktor für die Inflationsentwicklung ist und die Geldpolitik effektiver machen kann.