Digitale Währungen: Umwälzung des globalen Geldsystems durch Ent- und Neubündelung
Ein NBER Working Paper von Brunnermeier, James und Landau analysiert die tiefgreifenden Auswirkungen der Digitalisierung auf das Geldsystem. Es prognostiziert eine Entbündelung der Geldfunktionen, die Entstehung digitaler Währungsräume und die Notwendigkeit von Zentralbank-Digitalwährungen.
Entbündelung der Geldfunktionen
Die digitale Revolution führt zu einer radikalen Abkehr vom traditionellen Geldmodell.
Das Papier prognostiziert eine Entbündelung der klassischen Geldfunktionen (Wertaufbewahrung, Tauschmittel, Recheneinheit), was zu einem verschärften Wettbewerb unter spezialisierten Währungen führt.
Gleichzeitig könnten digitale Währungen großer Plattform-Ökosysteme eine Neubündelung bewirken, indem Zahlungsdienste mit Daten-Services verknüpft werden.
Dies fördert zwar die Differenzierung, erschwert aber die Interoperabilität zwischen Plattformen.
Beispiele wie WeChat Pay, Alipay, M-Pesa und die geplante Libra-Währung von Facebook zeigen die Vielfalt und das disruptive Potenzial dieser Entwicklungen.
Tausende von Fiat-Kryptowährungen auf Blockchains sind ebenfalls Teil dieser neuen Landschaft.
Digitale Dollarisierung und Währungsräume
Die Studie beleuchtet die tiefgreifenden Auswirkungen digitaler Währungen auf das internationale Währungssystem.
Länder, die sozial oder digital stark integriert sind, könnten einer 'digitalen Dollarisierung' gegenüberstehen, bei der die nationale Währung durch eine digitale Plattformwährung ersetzt wird.
Dies führt zur Entstehung 'digitaler Währungsräume' (Digital Currency Areas, DCAs), die nationale Grenzen überschreiten und an die Nutzung spezifischer digitaler Netzwerke gebunden sind.
Um die monetäre Unabhängigkeit zu wahren und sicherzustellen, dass öffentliches Geld eine relevante Recheneinheit bleibt, wird die Einführung von Zentralbank-Digitalwährungen (CBDC) als entscheidend erachtet.
Diese könnten die traditionellen Transmissionskanäle der Geldpolitik stärken, die durch das Verschwinden von Bargeld und die Verlagerung von Zahlungen auf Plattformen geschwächt werden.
Wegweisende Analyse mit drängenden Fragen
Die Studie liefert eine wegweisende Analyse der digitalen Geldrevolution, die über technische Aspekte hinausgeht und tiefgreifende ökonomische Implikationen aufzeigt.
Ihre Konzepte wie die 'digitale Dollarisierung' und 'digitale Währungsräume' sind essenziell für das Verständnis zukünftiger Währungssysteme.
Allerdings bleibt die praktische Umsetzung einer effektiven Regulierung dieser neuen Phänomene eine offene und drängende Frage für Zentralbanken und Regulierer weltweit.