Makroprudentielle Aufsicht: ESRB feiert 15 Jahre und blickt auf neue Risiken
Der Europäische Systemrisikorat (ESRB) feiert sein 15-jähriges Bestehen. Das Gremium hat die Finanzstabilität in Europa gestärkt, muss sich aber neuen Herausforderungen wie dem Nichtbankensektor und Cyberrisiken stellen.
Von der Krise zur makroprudentiellen Aufsicht
Der Europäische Systemrisikorat (ESRB) wurde nach der Finanzkrise 2008 gegründet, um systemische Risiken im europäischen Finanzsystem zu verhindern und zu mindern.
In den letzten fünfzehn Jahren hat das Gremium einen gemeinsamen Rahmen für die Analyse dieser Risiken etabliert und nationale Behörden frühzeitig vor neuen Bedrohungen gewarnt, etwa im Immobilienbereich oder im Nichtbankensektor.
Die ESRB muss ihren Ansatz nun anpassen, indem sie sich auf globale Implikationen konzentriert und die Beiträge ihrer Mitglieder stärker nutzt.
Zudem muss sie langfristige Trends wie demografische und technologische Entwicklungen stärker berücksichtigen, um die Finanzstabilität umfassend zu gewährleisten.
Die breite Zusammensetzung der ESRB, einschließlich nationaler Zentralbanken und sektoraler Aufsichtsbehörden, ermöglicht einen umfassenden Ansatz zur Identifizierung systemischer Risiken.
Die Europäische Zentralbank (EZB) spielt dabei eine Schlüsselrolle, da sie den Generalrat leitet und logistische sowie analytische Unterstützung bietet.
Seit der Einführung des Einheitlichen Aufsichtsmechanismus (SSM) im Jahr 2014 hat die EZB ihre Befugnisse erweitert und übt nun die direkte Aufsicht über die wichtigsten Banken im Euroraum aus, was auch bestimmte makroprudentielle Befugnisse umfasst.
Vom Mikro zum Makro: Ein Paradigmenwechsel
Vor der Finanzkrise 2008 konzentrierte sich die Finanzregulierung primär auf die individuelle Aufsicht von Marktteilnehmern (mikroprudentiell), ohne systemische Risiken ausreichend zu beachten.
Diese Erkenntnis führte zur Gründung des Europäischen Systems der Finanzaufsicht (ESFS) im Jahr 2010, zu dem auch die ESRB gehört.
Die ESRB ist für die makroprudentielle Aufsicht zuständig und hat maßgeblich zur Entwicklung eines gemeinsamen europäischen Rahmens beigetragen.
Sie identifiziert Risiken im Bankensektor, etwa durch die Entwicklung von Regeln für den antizyklischen Kapitalpuffer (CCyB), und hat ihre Aufsicht auf die Nichtbanken-Finanzintermediation ausgeweitet.
Durch nicht-bindende Warnungen und Empfehlungen, beispielsweise zu hohen Haushaltsverschuldungen im Immobiliensektor 2019, hat die ESRB die Koordination zwischen nationalen und europäischen Behörden gefördert und die Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems gestärkt.
Erfolgreich, aber nicht am Ziel
Die Bilanz der ESRB nach fünfzehn Jahren ist beeindruckend, doch die neuen Herausforderungen erfordern eine agile Anpassung.
Insbesondere die Integration langfristiger Trends und die Optimierung der operativen Effizienz sind entscheidend für die zukünftige Relevanz.
Ohne diese Weiterentwicklung droht das Gremium, hinter den dynamischen Entwicklungen im Finanzsystem zurückzubleiben.