US-Geldpolitik zieht Kapital an – durch US-Investoren-Abzug
Eine BDF-Studie widerlegt die Annahme, dass US-Geldpolitik ausländisches Kapital über Staatsanleihen anzieht. Stattdessen repatriieren US-Investoren Gelder aus ausländischen Aktien.
Repatriierung statt Anleihen-Boom
Eine neue Studie der Banque de France (BDF) stellt die gängige Annahme infrage, dass eine Straffung der US-Geldpolitik primär ausländisches Kapital durch den Kauf von US-Staatsanleihen anzieht.
Stattdessen zeigen die Ökonomen Julia Schmidt, Maeva Silvestrini und Urszula Szczerbowicz, dass ein Großteil der beobachteten Kapitalzuflüsse in die USA auf die Repatriierung von Geldern ausländischer Aktien durch US-Investoren zurückzuführen ist.
Dies unterstreicht eine signifikante Heterogenität zwischen inländischen und ausländischen Anlegern sowie über verschiedene Anlageklassen hinweg.
Eine Straffung der Geldpolitik um 100 Basispunkte führt demnach zu einer kumulativen Repatriierung von rund 2,4 Milliarden US-Dollar aus ausländischen Aktien über einen Zeitraum von neun Monaten.
Dieser Betrag entspricht etwa 5 Prozent der durchschnittlichen US-Auslandsposition in Aktien.
Die Autoren interpretieren dies als Hinweis darauf, dass Bilanzierungsbeschränkungen für US-Investoren bei geldpolitischer Straffung stärker greifen.
Informationsschocks drehen den Markt
Die Analyse wird auf sogenannte Central Bank Information (CBI) Schocks ausgeweitet – monetäre Überraschungen, die zusätzliche wirtschaftliche Informationen vermitteln.
Im Gegensatz zu konventionellen Straffungsschocks dokumentiert die Studie bei positiven Informationsschocks ein globales Portfolio-Rebalancing, das durch ein 'Risk-on'-Verhalten gekennzeichnet ist.
Hierbei erhöhen US-Investoren ihre Bestände an ausländischen Aktien, während ausländische Investoren gleichzeitig ihre Positionen in US-Aktien ausbauen.
Diese unterschiedlichen Reaktionen betonen die Notwendigkeit, genau zu identifizieren, welche Investoren ihre Portfolios anpassen, um die globalen Spillover-Effekte der US-Geldpolitik zu verstehen.
Die Untersuchung nutzt bilaterale Daten zu US-Auslandsaktiva und -passiva von 1994 bis 2019.
Ein Paradigmenwechsel für die Analyse
Die Studie korrigiert gängige Annahmen zu Kapitalflüssen und zwingt zur Neubewertung der Anlegertypen.
Geldpolitische Transmissionsmechanismen sind komplexer als gedacht und stark von der Investorenzusammensetzung abhängig.
Für die Finanzstabilität bedeutet dies, dass Risiken anders verteilt sein könnten, was neue Herausforderungen für die Aufsicht mit sich bringt.