Stablecoin-Schocks senken US-Renditen und Dollar
Eine neue IMF-Studie zeigt: Stablecoin-Nachfrage senkt kurzfristige US-Renditen und den Dollar. Zahlungsprovider profitieren, Banken sind nicht betroffen.
Stablecoin-Nachfrage senkt Renditen
Eine neue IMF-Studie entwickelt neuartige Messgrößen für Stablecoin-Schocks und identifiziert deren kausale Effekte auf US-Finanzmärkte.
Die Autoren kombinieren tägliche Stablecoin-Nachrichten mit Änderungen der Marktkapitalisierung von USDC und USDT, um hochfrequente Bewegungen zu messen.
Mittels eines heteroskedastizitätsbasierten Identifikationsverfahrens in einem Event-Study- und SVAR-IV-Rahmenwerk schätzen sie die Effekte unter minimalen ökonometrischen Annahmen.
Stablecoin-Nachfrageschocks führen zu anhaltenden Rückgängen der kurzfristigen US-Staatsanleiherenditen (1- und 3-Monats-Laufzeiten) und einer Abwertung des US-Dollars.
Diese Effekte schwächen sich bei längeren Laufzeiten ab.
Ein Stablecoin-Schock, der einer 1-prozentigen Erhöhung der kombinierten USDC- und USDT-Marktkapitalisierung entspricht, senkt die 1-Monats-T-Bill-Rendite um etwa 1,9 Basispunkte, wobei der Tiefpunkt um Woche 24 erreicht wird.
Dies ist konsistent mit der Reservezusammensetzung großer Stablecoin-Emittenten und der impliziten Zunahme der Nachfrage nach US-Staatsanleihen.
Spillover-Effekte und Gewinner
Die Studie dokumentiert Spillover-Effekte auf breitere Finanzmärkte.
Der Dollar-Index wertet moderat ab, konsistent mit niedrigeren kurzfristigen US-Renditen.
Der Bloomberg Galaxy Crypto Index (BGCI) steigt um etwa 1,5 Prozent, was auf Spillover-Effekte in Krypto-Asset-Märkte hindeutet.
Aktienkurse zeigen eine gedämpftere Reaktion.
Stablecoin-Schocks erzeugen zudem heterogene Aktienreaktionen: Zahlungsprovider mit Stablecoin-basierter Infrastruktur verzeichnen positive Renditen.
Banken, auch kleinere Institute, zeigen hingegen keine signifikanten Reaktionen.
Dies deutet darauf hin, dass die Märkte derzeit kein substanzielles Risiko einer Disintermediation oder Stablecoin-basierter Konkurrenz einpreisen.
Die Robustheit der Ergebnisse wird durch Sensitivitätsanalysen und einen komplementären Max-Share-Ansatz bestätigt.
Neuer Kanal, alte Sorgen?
Diese Studie liefert erstmals kausale Evidenz für die Auswirkungen von Stablecoins auf traditionelle Finanzmärkte.
Sie etabliert Stablecoin-Nachfrage als neuen Transmissionskanal und bietet eine solide empirische Grundlage für zukünftige Analysen der Finanzstabilitätsimplikationen.
Die Erkenntnis, dass Banken bisher kein Disintermediationsrisiko einpreisen, ist für Regulierungsbehörden relevant, bedeutet aber keine Entwarnung für die Zukunft.