Moulin: Digitaler Euro sichert monetäre Souveränität
Banque de France Gouverneur Emmanuel Moulin betont die Notwendigkeit, den Euro in die digitale Welt zu erweitern. Angesichts digitaler Zahlungen und Stablecoins muss Zentralbankgeld der Anker des Vertrauens bleiben.
Zahlungsverkehr im Wandel
Das Zahlungsökosystem erlebt einen doppelten Wandel: Der Bargeldgebrauch nimmt ab, während digitale Zahlungen, insbesondere Karten- und mobile Transaktionen, zunehmen.
Frankreich verzeichnete 2024 mit fast 33 Milliarden Transaktionen ein Plus von 5,2 Prozent und ist führend in Europa bei bargeldlosen Zahlungen.
Karten machten dabei 62 Prozent der bargeldlosen Transaktionen aus, gegenüber 45 Prozent im Jahr 2014.
Parallel dazu expandiert die Digitalisierung in Finanzanlagen durch Tokenisierung.
Dieser Prozess, bei dem Finanzanlagen oder Einlagen als Token auf einer Distributed-Ledger-Technologie (DLT) abgebildet werden, verspricht Effizienzgewinne durch die Reduzierung von Abwicklungszeiten und Transaktionskosten sowie die Ermöglichung von Smart Contracts und Delivery-versus-Payment-Mechanismen.
Risiken für Souveränität und Stabilität
Die Digitalisierung birgt neue Risiken für die monetäre Souveränität und Finanzstabilität Europas.
Im fragmentierten geopolitischen Umfeld gewinnen Zahlungsinfrastrukturen strategische Bedeutung.
Europa ist bereits stark von nicht-europäischen Akteuren im Retail-Zahlungsverkehr abhängig, insbesondere bei Kartensystemen und digitalen Geldbörsen, die fast zwei Drittel der Kartenzahlungen im Euroraum ausmachen.
Mit Stablecoins könnte sich diese Abhängigkeit noch verstärken, da Europa sowohl von nicht-europäischen Infrastrukturen als auch von Nicht-Euro-Abwicklungsanlagen abhängig werden könnte.
Die Marktkapitalisierung von Stablecoins ist von unter 5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019 auf 300 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 gestiegen.
Überwiegend Dollar-gestützt, bergen sie das Risiko einer digitalen Dollarisierung und Privatisierung des Geldes, was die Finanzstabilität gefährden und die geldpolitische Transmission schwächen könnte.
Europa muss Innovation gestalten
Die Rede von Moulin unterstreicht die Dringlichkeit, Europas monetäre Souveränität im digitalen Zeitalter zu sichern.
Die vorgestellten Initiativen wie der digitale Euro und die Großhandels-CBDC-Projekte Pontes und Appia sind entscheidend, um Abhängigkeiten zu reduzieren und die Finanzstabilität zu wahren.
Es bleibt jedoch eine Herkulesaufgabe, die Umsetzung zu koordinieren und die Akzeptanz in einem sich schnell entwickelnden Ökosystem zu gewährleisten.