Banque de France erklärt Rätsel um Chinas Handelsbilanzdaten
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Banque de France erklärt Rätsel um Chinas Handelsbilanzdaten

Seit 2021 klafft eine Lücke zwischen Chinas Handelsbilanzdaten aus Zollstatistiken und Zahlungsbilanz. Eine Analyse der Banque de France erklärt die Divergenz mit methodischen Änderungen und fehlender Rückdatierung.

Zoll vs. Zahlungsbilanz: Die wachsende Lücke

Seit 2021 hat sich die Diskrepanz zwischen Chinas Handelsbilanzüberschuss, gemessen an Zollstatistiken, und den Zahlen der Zahlungsbilanz deutlich vergrößert.

Während der Überschuss in der Zahlungsbilanz von 2,8 Prozent des BIP im Jahr 2019 auf 3,3 Prozent im Jahr 2023 moderat anstieg, kletterte er laut Zoll auf 4,6 Prozent.

Diese Divergenz, besonders ausgeprägt in den Jahren 2022 und 2023, hat angesichts erhöhter Handelsspannungen scharfe Kritik hervorgerufen, insbesondere vom Ökonomen Brad Setser.

Sie wirft grundlegende Fragen zur präzisen Messung globaler Ungleichgewichte auf und erfordert eine genaue Interpretation der Daten.

Eigentumswechsel statt Grenzübergang

Die Diskrepanz zwischen Zoll- und Zahlungsbilanzdaten resultiert aus methodischen Unterschieden.

Zollbehörden erfassen Güter beim Grenzübertritt, die Zahlungsbilanz hingegen bei einem Eigentumsübergang zwischen In- und Ausländern (gemäß BPM6).

Ein Beispiel: Produziert ein chinesisches Unternehmen für eine US-Firma und verkauft das Gut an einen chinesischen Konsumenten, erfasst die chinesische Zahlungsbilanz einen Export in die USA und einen Import, der Zoll jedoch keine Bewegung.

Solche Divergenzen sind auch in Frankreich, Deutschland und den USA üblich, dort werden jedoch Anpassungen vorgenommen, um den BPM6-Richtlinien zu entsprechen.

Methode korrekt, Rückdatierung fehlt

Die seit 2021 in Chinas Zahlungsbilanz angewandte Methode, die auf Unternehmens- und Bankdaten statt auf Zollstatistiken basiert, ist grundsätzlich mit dem BPM6-Rahmenwerk des IWF vereinbar.

Sie berücksichtigt internationale Produktionsarrangements wie 'factoryless manufacturing' besser.

Die fehlende Rückdatierung der Daten vor 2021 bleibt jedoch ein Problem und erschwert die langfristige Vergleichbarkeit und Analyse globaler Ungleichgewichte.

Quelle: How big is China’s trade surplus?

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