Villeroy de Galhau: EZB bereit für Iran-Schock
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Villeroy de Galhau: EZB bereit für Iran-Schock

François Villeroy de Galhau, Gouverneur der Banque de France, betont die Bereitschaft der EZB, bei Bedarf zu handeln. Angesichts hoher globaler Unsicherheit und steigender Energiepreise sei die Verankerung der Inflationserwartungen entscheidend.

Inflationsanker gegen Iran-Schock

Die Eurozone steht vor einem exogenen Angebotsschock durch die Iran-Krise, der Inflation und geringeres Wachstum erzeugen könnte.

Die EZB sieht ihre Hauptverantwortung darin, Zweitrundeneffekte zu verhindern und die Inflationserwartungen von Haushalten und Unternehmen bei zwei Prozent zu verankern.

Villeroy de Galhau betonte, die EZB sei bereit, in diese Richtung zu handeln, falls nötig.

Er wies darauf hin, dass die Inflation im Februar 2026 bei 1,9 Prozent lag, im Gegensatz zu über fünf Prozent im Februar 2022, was eine andere Ausgangslage darstellt.

Die EZB hat drei Szenarien veröffentlicht, deren Eintreten von Intensität und Dauer des Konflikts abhängt.

Die jüngsten Nachrichten sind makroökonomisch nicht günstig, doch die genauen Dimensionen des Phänomens sind noch unklar.

Eine Zinserhöhung im April sei verfrüht, da die Entscheidungen datenabhängig und nicht an einen vorab festgelegten Pfad gebunden sind.

Die europäische Wirtschaft habe sich vor der Krise als widerstandsfähig erwiesen.

Resilienz und agile Strategie

Trotz der militärischen Instabilität und der Volatilität an den Finanzmärkten erwartet die EZB selbst im schwersten Szenario lediglich eine Wachstumsverlangsamung, die im positiven Bereich bleiben würde.

Im Juni 2025 wurde die geldpolitische Strategie aktualisiert, um der erhöhten Wahrscheinlichkeit von Angebotsschocks mit multiplen Szenarien zu begegnen.

Dies ermögliche einen agilen Ansatz, der auf jede Entwicklung vorbereitet sei.

Die Finanzstabilität sei im Vergleich zu 2007 deutlich besser, dank Basel-3-Anforderungen und einem einheitlichen Aufsichtssystem, wodurch kein Risiko einer Bankenkrise in Europa bestehe.

Dennoch sei maximale Aufmerksamkeit auf globale Finanzmärkte, US-Aktienindizes, Privatkredite und den Kryptosektor geboten.

Die Risiken im Nichtbanken-Finanzsektor konzentrieren sich auf private Märkte und Privatkredite, die mehr Transparenz und Liquiditätsüberwachung erfordern.

Die Kombination aus Privatanlegern und illiquiden Vermögenswerten sei gefährlich, weshalb Frankreich systemweite Stresstests entwickle.

Geduld als Währung

Die EZB navigiert in einem Umfeld extremer Unsicherheit mit einer klaren Botschaft: Datenabhängigkeit und Geduld sind entscheidend, um Inflationserwartungen zu verankern.

Während die unmittelbare Gefahr einer Bankenkrise gering erscheint, bleiben strukturelle Herausforderungen wie das geringe Potenzialwachstum Europas ungelöst.

Die Forderung nach einer beschleunigten europäischen Integration unterstreicht die Notwendigkeit langfristiger Lösungen über kurzfristige Notfallmaßnahmen hinaus.