Moulin: Frankreichs Wirtschaft im Energieschock, Wachstum bei 0,5 Prozent
Die französische Wirtschaft steht vor einem anhaltenden Energieschock, so Emmanuel Moulin, Gouverneur der Banque de France. Die Notenbank senkt ihre Wachstumsprognose für 2026 auf 0,5 Prozent und warnt vor Inflationsrisiken.
Wachstumsprognose halbiert, Inflation steigt
Die Banque de France (BDF) hat ihre Wachstumsprognose für Frankreich im Jahr 2026 auf 0,5 Prozent gesenkt, eine Reduktion um 0,4 Prozentpunkte gegenüber den März-Projektionen.
Hauptursache ist ein persistenter Energieschock, basierend auf einem Ölpreis von 112 US-Dollar im zweiten Quartal und durchschnittlich 97 US-Dollar für das Gesamtjahr.
Der Rückgang der Wirtschaftsaktivität um 0,1 Prozent im ersten Quartal belastet das Jahreswachstum erheblich.
Für 2027 wird ein Wachstum von 0,9 Prozent und für 2028 von 1,2 Prozent erwartet.
Gleichzeitig steigt die Inflationsprognose für 2026 auf durchschnittlich 2,5 Prozent, 0,8 Prozentpunkte höher als im März.
Unternehmen beginnen bereits, die gestiegenen Energiekosten an die Verbraucher weiterzugeben, insbesondere in energieintensiven Industrien und im Transportsektor.
Die Wiedereröffnung der Straße von Hormuz nach einem US-Iran-Abkommen wird als positiv bewertet, erfordert jedoch Zeit für die Normalisierung.
Keine Rezession, aber Lohn-Catch-up
Trotz eines Rückgangs im ersten Quartal wird keine Rezession im Frühjahr erwartet, da temporäre Faktoren nicht nachhaltig seien; das zweite Quartal wird jedoch aufgrund des Iran-Krieges verhalten ausfallen.
Bei den Löhnen sieht Moulin kaum Zweitrundeneffekte, da die Verhandlungen vor dem Krieg abgeschlossen wurden; ein Lohn-Catch-up wird erwartet, aber keine Lohn-Preis-Spirale.
Das Staatsdefizit könnte 2026 ohne zusätzliche Maßnahmen auf 5,2 Prozent steigen, doch das 5-Prozent-Ziel bleibt durch gezielte Stützungsmaßnahmen erreichbar.
Die Staatsverschuldung wird bis 2028 auf 122 Prozent des BIP ansteigen, was einen breiten Konsens zur Defizitreduzierung auf 3 Prozent bis 2029 erfordert.
EZB-Zinsanhebung: Notwendig, aber nicht unumstritten
Die jüngste EZB-Zinsanhebung von 2,0 auf 2,25 Prozent war notwendig, um die Inflation zu bekämpfen, auch wenn sie in Frankreich kritisiert wurde.
Moulin betont die datenabhängige Haltung der EZB, die keine voreiligen Entscheidungen trifft und strukturelle Wachstumsprobleme nicht lösen kann.
Für die Banque de France stehen nun die europäische Währungssouveränität, die Entwicklung des digitalen Euros und die finanzielle Inklusion im Vordergrund.