Villeroy de Galhau: Frankreich muss Horizont erweitern, Reformen nötig
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Villeroy de Galhau: Frankreich muss Horizont erweitern, Reformen nötig

Banque de France Gouverneur François Villeroy de Galhau warnt in seinem Schreiben an den Präsidenten vor höherer Inflation und geringerem Wachstum. Er fordert strukturelle Reformen und eine langfristige Perspektive für die französische Wirtschaft.

Nahost-Konflikt trübt Frankreichs Aussichten

Die Banque de France (BDF) warnt in ihrem Schreiben an den Präsidenten der Republik vor den wirtschaftlichen Folgen des Nahost-Konflikts.

Dieser führe zu einem negativen Angebotsschock mit geringerem Wachstum und höherer Inflation.

Die BDF und die EZB haben drei Szenarien veröffentlicht, wobei das Basisszenario nicht als einziges favorisiert werden sollte.

Erste Schätzungen zeigen bereits Nullwachstum im ersten Quartal 2026 und eine Inflation von 2,5 Prozent im April, hauptsächlich getrieben durch Energiepreise.

Die BDF-Projektionen vom März bleiben gültig: Frankreich erwartet langsames, aber positives Wachstum, während die Inflation nach einem möglichen Anstieg 2026 wieder unter das 2-Prozent-Ziel fallen sollte.

Die Geldpolitik muss vorsichtig, aber wachsam sein, um Zweitrundeneffekte zu verhindern.

Fiskalische Stützungsmaßnahmen werden als kostspielig und kontraproduktiv kritisiert, da sie die Ölnachfrage anheizen.

Stattdessen sei eine beschleunigte Energiewende nötig, um die Abhängigkeit von Ölprodukten zu reduzieren.

Frankreichs Bilanz: Solide privat, schwach öffentlich

Über die letzten fünfzehn Jahre hinweg verzeichnete Frankreich eine mittlere Wirtschaftsleistung, oft nahe dem Durchschnitt der Eurozone, der wiederum deutlich unter dem der USA liegt.

Das jährliche Wachstum betrug 1,1 Prozent, verglichen mit 1,2 Prozent in der Eurozone.

Trotz solider privater Finanzen sind die öffentlichen Finanzen schwach, mit fast den höchsten Staatsausgaben und Defiziten in der Eurozone.

Die Staatsverschuldung stieg seit 2010 um fast 30 Prozentpunkte des BIP.

Positiv ist die Verbesserung am Arbeitsmarkt mit sinkender Arbeitslosenquote.

Die BDF identifiziert drei Bereiche für kollektive Verbesserungen: die Effizienz der öffentlichen Ausgaben, die Berücksichtigung zukünftiger Generationen bei Schulden und Renten sowie die Steigerung von Arbeitsvolumen und -qualität, insbesondere durch höhere Produktivität und Innovation.

Ein Blick über den Tag hinaus

Das Schreiben der Banque de France ist ein wichtiger Weckruf an die französische Politik, über kurzfristige Krisenreaktionen hinauszudenken.

Die Betonung struktureller Reformen und einer nachhaltigen Finanzpolitik ist angesichts der hohen Staatsverschuldung überfällig.

Ob die politischen Entscheidungsträger diese langfristigen Empfehlungen in die Tat umsetzen, bleibt jedoch abzuwarten.