Europa muss Tempo machen: Villeroy de Galhau fordert Beschleunigung
In seiner letzten Rede als Gouverneur der Banque de France fordert François Villeroy de Galhau ein 'Aufwachen' Europas. Der Kontinent müsse dringend Tempo machen, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und strategische Ziele zu erreichen.
Europas Innovationslücke und die drei 'I'
Die Eurozone verzeichnete in den letzten 25 Jahren ein BIP-Wachstum pro Kopf von 31 Prozent, deutlich unter den 47 Prozent der USA.
François Villeroy de Galhau identifiziert eine 'Schumpeterianische' Innovationslücke als Hauptursache.
Trotz einer hohen Sparquote der Haushalte von über 15 Prozent (USA: 11 Prozent) fehlt es an Eigenkapital für bahnbrechende Innovationen.
Die Eigenkapitalfinanzierung nicht-finanzieller Unternehmen liegt in der Eurozone bei 85 Prozent des BIP, gegenüber 220 Prozent in den USA.
Marktfragmentierung und Kapitalzugang sind die größten Hürden für EU-Firmen.
Die Berichte von Draghi und Letta fordern daher drei 'I': Integration des Binnenmarktes (optionales 28. Regime bis 2028), bessere Investitionen (Spar- und Investitionsunion) und schnellere Innovation.
Erste Fortschritte sind erkennbar: 39 Prozent der Draghi-Empfehlungen wurden umgesetzt, zehn Vereinfachungspakete der EU-Kommission sollen Verwaltungskosten um 11,9 Milliarden Euro senken.
Zudem stellt SAFE seit Mai 2025 bis zu 150 Milliarden Euro für gemeinsame Verteidigungsinvestitionen bereit.
Strategische Einigkeit, technische Blockaden
Villeroy de Galhau analysiert, warum Europa zu langsam agiert.
Strategische Einigkeit verdeckt oft technische Meinungsverschiedenheiten.
Die europäische Kultur fördert Vorsicht und inkrementelle Schritte, während Amerika die Risiken der Untätigkeit fürchtet.
Obwohl Europa in der Vergangenheit bei Krisen wie der Finanzkrise oder der Ukraine-Invasion schnell handeln konnte (z.B. mit MiCAR), bleibt die Governance schwerfällig.
Das Problem liegt nicht nur in Abstimmungsregeln wie der Einstimmigkeit, sondern auch in der Initiative der Kommission und der schnellen Abstimmung von Rat und Parlament.
Der Gouverneur kritisiert die potenziellen 35 Monate Verzögerung beim digitalen Euro und plädiert für einen 'pragmatischen Föderalismus' in strategischen Bereichen wie Verteidigung, Energie und Finanzintegration, um die Geschwindigkeit zu erhöhen.
Jetzt oder nie: Ein Weckruf für Europa
Villeroy de Galhaus Rede ist ein dringender Appell an die europäische Politik, die strukturellen Schwächen des Kontinents endlich zu überwinden.
Seine Forderung nach einer klaren Frist, wie 2028 oder 2029, unterstreicht die existenzielle Dringlichkeit angesichts globaler Rivalen und interner Trägheit.
Ob Europa diesen Weckruf beherzigt und die nötige Geschwindigkeit aufnimmt, wird über seine zukünftige Rolle in der Welt entscheiden.