USA mit leichtem Leistungsbilanzüberschuss gegenüber Eurozone
Entgegen der Annahme eines US-Handelsdefizits weist die US-Leistungsbilanz gegenüber der Eurozone einen leichten Überschuss auf. Dies liegt an Dienstleistungen und Einkommen, die den Warenhandelsüberschuss der Eurozone überkompensieren.
Jenseits des Warenhandels: Ein neues Bild
Die Analyse der Finanzströme zwischen den Vereinigten Staaten und der Eurozone darf sich nicht auf den Warenhandel beschränken.
Seit 2022 verzeichnen die USA einen leichten Leistungsbilanzüberschuss gegenüber der Eurozone, was eine Umkehrung der früheren Situation darstellt.
Bis 2021 hatte die Eurozone einen Überschuss.
Dieser Wandel ist auf ein wachsendes Defizit bei Dienstleistungen und Einkommen zurückzuführen, das den traditionellen Warenhandelsüberschuss der Eurozone mit den USA seit 2022 vollständig eliminiert hat.
Im Jahr 2024 erreichten die Defizite bei Dienstleistungen und Einkommen Rekordwerte von 144 Mrd. Euro bzw. 55 Mrd. Euro.
Diese Entwicklung steht im Kontext einer verschärften US-Handelspolitik, die sich auf bilaterale Defizite im Warenhandel konzentriert, jedoch ein unvollständiges Bild liefert.
Der Warenhandel der Eurozone mit den USA betrug 2024 fast 200 Mrd. Euro, hauptsächlich getragen von Deutschland, Irland und Italien mit Exporten von Medizinprodukten und Fahrzeugen.
Intra-Konzern-Flüsse prägen das Defizit
Das Dienstleistungsdefizit der Eurozone gegenüber den USA wird maßgeblich durch Irland und in geringerem Maße durch die Niederlande beeinflusst.
Diese Länder sind Standorte vieler US-Multinationaler.
Im Jahr 2024 trug Irland 141 Mrd. Euro zum Dienstleistungsdefizit der Eurozone bei, hauptsächlich durch Dienstleistungen im Zusammenhang mit geistigem Eigentum.
Weitere 51 Mrd. Euro entfielen auf andere Unternehmensdienstleistungen, insbesondere Forschung und Entwicklung.
Diese Dienstleistungsimporte spiegeln Zahlungen für die Nutzung von Technologien und Patenten wider, die von führenden US-Unternehmen entwickelt wurden.
Es handelt sich oft um Intra-Konzern-Flüsse, bei denen europäische Tochtergesellschaften – häufig in Irland ansässig – Lizenzgebühren an ihre US-Muttergesellschaften zahlen.
Unternehmen wie Apple, Google, Microsoft, Pfizer und Johnson & Johnson sind hier aktiv.
Die Wahl des Patentanmeldelandes und Änderungen in den Steuerregimen, wie die Abschaffung des 'Double Irish'-Schemas und die US-Steuerreform von 2017, spielen eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung dieser grenzüberschreitenden Ströme.
Die Reformen zielten darauf ab, die Verlagerung von Gewinnen in Niedrigsteuerländer zu verhindern und die inländischen Investitionen zu fördern.
Verzerrtes Bild der Handelsrealität
Die Studie der Banque de France entlarvt die Simplizität einer Handelspolitik, die sich allein auf den Warenhandel konzentriert.
Sie zeigt, dass die tatsächlichen Wirtschaftsbeziehungen komplexer sind und stark von Unternehmensstrukturen und Steueranreizen geprägt werden.
Die vermeintlichen Defizite im Warenhandel werden durch die unsichtbaren Ströme von Dienstleistungen und Einkommen überkompensiert.
Für die politische Debatte bedeutet dies, dass eine einseitige Fokussierung auf Güterhandel das wahre Ausmaß der transatlantischen Interdependenz verkennt.