Klimapolitik: Globale Handelsströme und Leistungsbilanzen im Wandel
BDF Paper

Klimapolitik: Globale Handelsströme und Leistungsbilanzen im Wandel

Die Umstellung auf eine kohlenstoffarme Wirtschaft wird den Welthandel reduzieren und die Leistungsbilanzen von Nettoimporteuren verbessern. Eine BDF-Studie betont die entscheidende Rolle der Investitionsfinanzierung für eine ausgewogene Transition.

Globale Handelsströme im Umbruch

Die NGFS-Szenarien zur kohlenstoffarmen Transition prognostizieren einen deutlichen Rückgang des globalen Handels.

Der Verbrauch fossiler Brennstoffe wird bis 2050 um 15 Prozent gegenüber dem Basisszenario sinken, begleitet von einem Ölpreisrückgang um rund 20 Prozent.

Dies führt kurzfristig zu einem Rückgang des BIP in den meisten Ländern.

Fortgeschrittene Volkswirtschaften erleben zunächst einen starken Rückgang ihrer Importe und Exporte.

Mittelfristig erholen sich ihre Exporte jedoch, während die Exporte ölproduzierender Länder langfristig einbrechen.

Die Eurozone könnte bis 2050 einen Anstieg ihrer Leistungsbilanz um 0,5 Prozentpunkte des BIP verzeichnen.

Im Gegensatz dazu wird der Handelsbilanzüberschuss des Nahen Ostens bis 2050 voraussichtlich um 1,2 Prozentpunkte des BIP sinken.

Die Studie hebt hervor, dass die Auswirkungen auf die Leistungsbilanzen denen der Handelsbilanzen ähneln, wobei die USA aufgrund steigender Zinsen eine Ausnahme bilden.

Grüne Investitionen: Das Dilemma der Finanzierung

Die Umsetzung der Klimaziele erfordert erhebliche grüne Investitionen.

In Europa werden die jährlichen Gesamtinvestitionen (privat und öffentlich) auf 3 bis 4 Prozent des BIP geschätzt.

Öffentliche Investitionen könnten in einer Übergangsphase 20 bis 50 Prozent des Gesamtvolumens ausmachen, was 0,6 bis 2 Prozentpunkte des BIP pro Jahr entspricht.

Die Studie untersucht den Einfluss dieser Investitionen und ihrer Finanzierung auf die externe Dynamik.

Dabei werden zwei Varianten des NGFS-NDC-Szenarios simuliert: eine mit erhöhten öffentlichen Investitionen ohne entsprechende Finanzierung, die das Staatsdefizit akzentuiert, und eine zweite mit neutralem Effekt auf den Staatshaushalt durch höhere Haushaltssteuern.

Unfinanzierte öffentliche Investitionen würden die Leistungsbilanz verschlechtern.

Weckruf für die Fiskalpolitik

Die BDF-Studie beleuchtet eine kritische, oft übersehene Dimension der Klimatransformation: ihre makroökonomischen Rückwirkungen auf Handels- und Leistungsbilanzen.

Sie zeigt, dass die Finanzierung grüner Investitionen entscheidend ist, um unerwünschte externe Ungleichgewichte zu vermeiden.

Die Fiskalpolitik muss Klimaziele daher stets im Kontext von Staatsfinanzen und internationaler Wettbewerbsfähigkeit betrachten.

Quelle: Low-carbon transition policies and current accounts

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