Villeroy de Galhau: Keine Wiederholung von 2022, aber erhöhte Wachsamkeit nötig
François Villeroy de Galhau, Gouverneur der Banque de France, betont die Notwendigkeit geldpolitischer Wachsamkeit angesichts globaler Unsicherheiten. Er sieht keine Wiederholung der Inflationsdynamik von 2022, mahnt aber zur Vorsicht vor voreiligen Schlüssen.
Makroökonomische Lage anders als 2022
Die aktuelle Situation unterscheidet sich maßgeblich von 2022.
Damals befeuerte eine starke Nachfrage nach der Pandemie in Verbindung mit Lieferkettenproblemen die Inflation.
Im Februar 2022 lag die Teuerung im Euroraum bei 5,9 Prozent, während sie im Februar 2026 auf 1,9 Prozent gesunken war.
Auch die geldpolitische Ausrichtung ist heute eine andere: Die EZB ist nicht durch Anleihekäufe oder die Nähe der Zinsuntergrenze eingeschränkt.
Die Normalisierung der Geldpolitik hat zu einem planbaren Abbau der EZB-Bilanz geführt.
Diese starke Ausgangsposition ist das Ergebnis der Erfahrungen zwischen 2022 und 2025, als die Disinflation ohne Rezession gelang und die Inflationserwartungen fest verankert blieben.
Umgang mit Unsicherheit und negativen Angebotsschocks
Die Notenbank muss Entscheidungen in einem Umfeld hoher Unsicherheit treffen, wie die aktuelle Krise im Nahen Osten zeigt.
Hierbei ist die Unterscheidung zwischen quantifizierbarem Risiko und unquantifizierbarer Unsicherheit entscheidend.
Die EZB und die Banque de France haben am 19. bzw. 25. März drei Szenarien veröffentlicht: ein Basisszenario mit begrenzten Auswirkungen, ein 'ungünstiges' Szenario mit Ölpreisen von 119 US-Dollar pro Barrel und ein 'schwerwiegenderes' Szenario mit 145 US-Dollar.
Aktuell liegen die Ölpreise über 100 US-Dollar, was dem 'ungünstigen' Szenario näherkommt.
Seit Anfang März sind die Finanzierungsbedingungen straffer geworden, und die Spreads für 10-jährige Staatsanleihen haben sich in Frankreich, Italien und Großbritannien ausgeweitet.
Die geldpolitische Reaktion konzentriert sich auf die Inflationsaussichten, die Kerninflation und die Transmissionsmechanismen, um eine Ausbreitung des Schocks auf die Binneninflation zu verhindern.
Balanceakt in unsicheren Zeiten
Villeroy de Galhaus Rede unterstreicht die anhaltende Herausforderung, Geldpolitik in einem Umfeld hoher Unsicherheit zu steuern.
Trotz der Entwarnung bezüglich einer 2022-Wiederholung bleibt die Notenbank angesichts steigender Energiepreise und Finanzmarktspannungen hochwachsam.
Die Betonung der Kerninflation und der Erwartungen zeigt, dass die EZB eine zweite Inflationswelle um jeden Preis verhindern will, ohne die Wirtschaft abzuwürgen.