Naturrisiken: Studie warnt vor Stagflation in Frankreich
Eine neue Studie der Banque de France (BDF) warnt vor erheblichen makroökonomischen Folgen naturbezogener Risiken für Frankreich. Simulationen zeigen, dass Wasser- und Agrarschocks zu Stagflation und tiefen Produktionsverlusten führen können.
Wasser und Ernte: Zwei Schock-Szenarien
Die Banque de France (BDF) hat zwei illustrative Szenarien für naturbezogene Risiken in Frankreich entwickelt.
Eine Analyse identifizierte Wasserzyklusstörungen und landwirtschaftliche Produktivität als die ökonomisch relevantesten Risikobereiche.
Das erste Szenario simuliert chronische Wasserknappheit, sinkende Wasserqualität und akute Dürren, was zu einem stagflationären Episode in Frankreich führt, gekennzeichnet durch einen starken und anhaltenden Rückgang der Wirtschaftsleistung bei gleichzeitig steigenden Preisen.
Das zweite Szenario modelliert landwirtschaftliche Schocks, einschließlich heimischer Ernteausfälle und eines gleichzeitigen Versagens mehrerer globaler Kornkammern.
Diese Simulationen zeigen noch tiefere Produktionsverluste aufgrund globaler Spillover-Effekte und starker Anstiege der Lebensmittelpreise.
Die Studie betont, dass die Degradation der Natur nicht nur ein Umweltproblem ist, sondern eine materielle Bedrohung für die makroökonomische und Preisstabilität.
Makroökonomie im Natur-Korsett
Die globale Wirtschaft ist tief in die Natur eingebettet, wobei über die Hälfte des weltweiten BIP moderat oder stark von Ökosystemdienstleistungen abhängt.
Trotzdem wird dieses Naturkapital alarmierend schnell abgebaut, mit einem Rückgang der Wirbeltierpopulationen um 70 Prozent seit 1970.
Während klimabezogene Risiken zunehmend überwacht werden, sind naturbezogene Risiken räumlich heterogener und komplexer, was ihre Quantifizierung in traditionellen makroökonomischen Begriffen erschwert.
Diese Studie schließt eine Lücke, indem sie die Übertragungskanäle von Naturdegradation zur Makroökonomie mittels des NiGEM-Modells untersucht, das von Zentralbanken für Szenarioanalysen genutzt wird.
Weckruf für die Geldpolitik
Die Ergebnisse der BDF-Studie sind ein klarer Weckruf für Zentralbanken und Finanzaufsichtsbehörden.
Sie zeigen, dass naturbezogene Risiken direkte Auswirkungen auf Preis- und Finanzstabilität haben können, was eine Integration in geldpolitische und finanzstabilitätsbezogene Rahmenwerke unerlässlich macht.
Insbesondere die Gefahr einer Entankerung der Inflationserwartungen bei häufigeren oder persistenteren Schocks erfordert dringend verbesserte Daten und Modellierungsansätze.