Villeroy de Galhau: Private Märkte – Chancen nutzen, Risiken beherrschen
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Villeroy de Galhau: Private Märkte – Chancen nutzen, Risiken beherrschen

Banque de France Gouverneur François Villeroy de Galhau analysiert auf dem Bloomberg Forum die Entwicklung der privaten Märkte. Er betont deren Chancen für die europäische Wirtschaft, warnt aber vor Liquiditäts- und Bewertungsrisiken.

Rasanter Aufstieg und versteckte Risiken

Die privaten Märkte haben in den letzten zwei Jahrzehnten einen signifikanten Aufschwung erlebt.

Die verwalteten Vermögenswerte in privaten Marktfonds verdreifachten sich zwischen 2004 und 2024 und erreichten im Juni 2025 weltweit 16,2 Billionen US-Dollar.

Dieser Anstieg wurde durch niedrige Zinsen, hohe Bewertungen an den Börsen und regulatorische Änderungen nach der Finanzkrise begünstigt, die Banken zu sichereren Anlagen drängten.

Villeroy de Galhau hebt jedoch zwei Hauptvulnerabilitäten hervor: Liquiditätsrisiken, wie jüngste Rücknahmeanträge bei Blue Owl Capital, Blackstone und BlackRock zeigten, sowie Bewertungsrisiken.

Letztere manifestieren sich in Abwertungen durch Banken bei Kreditportfolios und der Verschleierung von Schwierigkeiten durch maßgeschneiderte Kreditmodalitäten wie Payment-in-Kind (PIK) oder weniger strenge Covenants.

Die zunehmende Verflechtung mit anderen Finanzinstitutionen verstärkt diese Risiken.

Europas Rückstand und fünf Hebel für die Zukunft

Trotz der Risiken bieten private Märkte, insbesondere Private Equity, eine willkommene Chance zur Förderung von Wirtschaftswachstum und Innovation in Europa.

Sie bieten stabile Langzeitfinanzierungen für schnell wachsende Technologieunternehmen.

Allerdings hinkt Europa hier den USA deutlich hinterher: Im Jahr 2025 entfielen nur 20 Prozent der weltweiten Private-Equity-Kapitalbeschaffung auf Europa.

Zwischen 2019 und 2023 betrugen die Risikokapitalinvestitionen in der EU 65 Milliarden Euro, verglichen mit 739 Milliarden Euro in den USA.

Um diesen Rückstand aufzuholen und die 'Union für Ersparnisse und Investitionen' zu stärken, schlägt Villeroy de Galhau fünf konkrete Hebel vor: eine europäische Aufsicht für Investmentfonds, die Einführung eines freiwilligen '28. Regimes' bis 2028, die Entwicklung europäischer Altersvorsorgefonds, ambitionierte öffentlich-private Partnerschaften im Risikokapitalbereich und die Einführung von Sparprodukten für Haushalte.

Transparenz und Harmonisierung als Schlüssel

Die Analyse von Villeroy de Galhau ist eine längst überfällige Einordnung der privaten Märkte.

Während die identifizierten Risiken bekannt sind, bietet der Fokus auf Transparenz und Harmonisierung einen pragmatischen Weg zur Stärkung der Finanzstabilität.

Die Umsetzung der vorgeschlagenen Hebel wird jedoch entscheidend sein, um Europas Wettbewerbsfähigkeit wirklich zu steigern.