Finanzmodell prognostiziert Zinskosten dynamischer Schuldenportfolios
Ein neues Finanzmodell der Banque de France prognostiziert die zukünftigen Zinskosten dynamischer Schuldenportfolios. Es simuliert die Auswirkungen von Zinsänderungen auf die Refinanzierung von Staats- und Unternehmensschulden.
Zinskosten unter der Lupe: Ein dynamisches Modell
Das von Maxime Gueuder und Sébastien Ray entwickelte Finanzmodell der Banque de France prognostiziert die zukünftigen Zinsaufwendungen großer, rollierender Schuldenportfolios.
Es simuliert die finanziellen Konsequenzen von Zinsänderungen für Kreditnehmer.
Basierend auf detaillierten Daten zur aktuellen Schuldenstruktur und Zinsen, sowie einer angenommenen Marktzinsentwicklung, wird die schrittweise Rückzahlung und Refinanzierung von Schulden zu jeweils aktuellen Konditionen simuliert.
Das Modell berücksichtigt variable Zinsen und Inflationsindexierungen und kann jede zukünftige Entwicklung von ausstehenden Beträgen und Zinskurven abbilden.
Es ermöglicht die Vorhersage der Gesamtzinskosten, die sich aus nominalen Zinszahlungen, der Amortisation von Emissionsprämien und -abschlägen sowie spezifischen Kosten indexierter Schuldtitel ergeben.
Die Autoren betonen, dass das Modell nicht auf ökonometrischen Schätzungen basiert, sondern auf der aktuellen Schuldenstruktur, was es besonders für Szenarioanalysen und Stresstests geeignet macht.
Zwei Anwendungsfälle: Staats- und Unternehmensschulden
Zwei Hauptanwendungsfälle werden detailliert vorgestellt: die marktfähige Verschuldung des französischen Staates und die aggregierte Verschuldung nicht-finanzieller Unternehmen (NFC) der Eurozone.
Für die französische Staatsverschuldung dienten offizielle Publikationen der Zinsaufwendungen als Benchmark für Backtests.
Das Modell konnte die Kosten der französischen Zentralregierung von 2019 bis 2024 mit einer durchschnittlichen relativen Projektionsabweichung von 3 Prozent abbilden.
Im Falle der NFCs zeigt sich eine starke Abhängigkeit der Zinsaufwendungen von der Schuldenstruktur, da der Anteil festverzinslicher Langfrist-Schulden länderübergreifend stark variiert.
Beispielsweise sind italienische oder spanische NFCs stärker kurzfristig und variabel verzinst verschuldet als französische oder deutsche.
Das Modell quantifiziert die daraus resultierenden Unterschiede in der Sensitivität gegenüber zukünftigen Zinsänderungen.
Frühwarnsystem für Schuldenrisiken
Dieses Modell liefert ein wichtiges Frühwarnsystem für potenzielle Finanzinstabilitäten, indem es die zukünftige Zinslast von Schuldnern präzise prognostiziert.
Es ermöglicht Zentralbanken und Regulierern, systemische Risiken durch plötzliche Kostensteigerungen besser zu überwachen.
Die Erkenntnisse zur Heterogenität der Schuldenstrukturen sind zudem entscheidend, um die unterschiedliche Transmission der Geldpolitik in der Eurozone zu verstehen und gezielte Maßnahmen zu ergreifen.