Aid-Sanktionen: Reiche Autokratien können sie nicht umgehen
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Aid-Sanktionen: Reiche Autokratien können sie nicht umgehen

Eine neue Studie der Banque de France (BDF) zeigt: Reiche Autokratien können Wirtschaftssanktionen umgehen, aber nicht die Aussetzung von Entwicklungshilfe. Die bloße Verfügbarkeit von Alternativen macht den Unterschied.

Reiche Autokratien sind nicht immun

Die von Clara Portela und Juan S. Mora-Sanguinetti verfasste Studie der Banque de France (BDF) untersucht die Wirksamkeit internationaler Sanktionen.

Im Fokus steht der Vergleich von Aid-Suspensionen mit Wirtschaftssanktionen, um zu verstehen, wie verschiedene autokratische Regime auf diese reagieren.

Die Analyse basiert auf einer eigens entwickelten Datenbank, die 309 Sanktionsepisoden aus den Jahren 1990 bis 2018 umfasst.

Ein zentrales Ergebnis ist die überlegene Widerstandsfähigkeit von Einparteienregimen und Monarchien gegenüber Sanktionsdruck.

Die Studie zeigt jedoch eine entscheidende Nuance: Während Wohlstand die Widerstandsfähigkeit gegenüber Wirtschaftssanktionen stärkt, trifft dies nicht auf Aid-Suspensionen zu.

Dies bestätigt die Hypothese der Umgehung: Alternative Handelsrouten können ein Handelsembargo ausgleichen, aber Ersatzspender für Entwicklungshilfe sind rar.

Auch Demokratien erweisen sich als anfälliger für Sanktionsdruck.

Warum Geld nicht immer hilft

Die Studie analysiert, ob sich Wirtschaftssanktionen und Aid-Suspensionen bei verschiedenen autokratischen Regimeformen ähnlich verhalten.

Autokratien werden nach Barbara Geddes klassifiziert, wobei weniger institutionalisierte Regime (Personal-, Militärregime) anfälliger sind.

Die Ergebnisse zeigen, dass Aid-Suspensionen ähnliche Effekte auf autokratische Regime haben wie Wirtschaftssanktionen, was ihre oft unterschätzte Bedeutung hervorhebt.

Die zentrale 'Umgehungshypothese' wird bestätigt: Wohlstand schützt weniger vor Aid-Suspensionen, da deren Effekte schwerer zu umgehen sind.

Während alternative Handelsrouten Wirtschaftssanktionen abfedern können, sind Ersatzspender für Entwicklungshilfe rar.

Dies erklärt die geringere Widerstandsfähigkeit reicher Staaten gegenüber Aid-Entzügen.

Ein blinder Fleck der Forschung

Diese Studie schließt eine wichtige Lücke in der Sanktionsforschung, die Aid-Suspensionen oft vernachlässigt hat.

Die klare Unterscheidung zwischen Umgehungsmöglichkeiten bei Wirtschafts- und Aid-Sanktionen ist ein entscheidender Beitrag für die Praxis.

Politische Entscheidungsträger sollten die Wirkung von Entwicklungshilfe-Entzügen nicht unterschätzen und gezielter einsetzen.