EU-Industrie: Gasschock 2022 beschleunigt Strukturwandel
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EU-Industrie: Gasschock 2022 beschleunigt Strukturwandel

Der Gaspreisschock 2022 durch russische Lieferausfälle traf Europas energieintensive Industrien hart, insbesondere in Deutschland. Eine BDF-Studie zeigt, dass dies einen bereits bestehenden Strukturwandel beschleunigte.

Energiekrise trifft Strukturwandel

Die Unterbrechung russischer Gaslieferungen 2021-23 führte zu einer massiven Energiekrise in Europa, die energieintensive Industrien wie Chemie und Metall sowie Länder wie Deutschland besonders traf.

Eine neue Studie der Banque de France (BDF) analysiert, ob dieser Schock einen bereits seit den frühen 2000er Jahren stattfindenden Strukturwandel in der europäischen Industrie beschleunigte oder nur sichtbar machte.

Dieser Wandel begünstigt weniger energieintensive Sektoren wie Pharma und Elektronik, die stärker von der Endnachfrage getrieben sind.

Die Produktion in energieintensiven Sektoren der Eurozone sank zwischen März 2022 und Mai 2025 um 11,0 Prozent.

Vor der Krise machten diese Sektoren 7,4 Prozent der Wertschöpfung aus.

Russland lieferte vor dem Ukraine-Krieg 40 Prozent des europäischen Gasverbrauchs.

Europas Achillesferse

Europas Industrie baute historisch auf günstige russische Gaslieferungen, was eine starke Abhängigkeit schuf.

Deutschland und Italien waren besonders exponiert, da sie hohe Anteile russischen Gases importierten und gleichzeitig eine große energieintensive Industrie besaßen.

Doch bereits vor dem Energieschock 2022 zeigte die europäische Industrie Schwächen: Ein globaler Handelsrückgang ab 2018, verstärkte Konkurrenz aus Asien und die COVID-19-Krise belasteten den Sektor.

Diese Vorbelastungen erhöhten die Anfälligkeit für den späteren Preisanstieg bei Energie.

Katalysator oder Weckruf?

Die BDF-Studie liefert eine wichtige Einordnung des Gaspreisschocks: Er war weniger Auslöser als vielmehr ein Katalysator für einen bereits laufenden Strukturwandel.

Die Krise offenbarte die tiefer liegenden Schwächen und Abhängigkeiten der europäischen Industrie.

Für die zukünftige Industriepolitik bedeutet dies, dass Resilienz und Diversifizierung über reine Kosteneffizienz gestellt werden müssen.