TARGET-Salden: EZB-Modell erklärt Liquiditätszirkulation im Euroraum
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TARGET-Salden: EZB-Modell erklärt Liquiditätszirkulation im Euroraum

Drei Ökonomen der Banque de France präsentieren ein Modell, das die Entwicklung der TARGET-Salden im Euroraum seit Einführung des Euro quantifiziert. Es zeigt den Beitrag geldpolitischer Operationen zur Liquiditätszirkulation.

Geldpolitik als Haupttreiber der TARGET-Salden

Zwischen 2016 und 2022 verdreifachten sich die Bankreserven auf der Passivseite der Eurosystem-Bilanzen, bevor sie allmählich wieder sanken.

Bemerkenswert ist, dass die Verteilung dieser Liquidität zwischen den Ländern relativ stabil blieb, während die nationalen Salden aus grenzüberschreitenden Abrechnungen – die sogenannten TARGET-Salden – erhebliche Schwankungen aufwiesen.

Ein neues Modell der Banque de France quantifiziert den Beitrag geldpolitischer Operationen zur Entwicklung dieser Salden seit der Einführung des Euro.

Die ersten großen Bewegungen sind auf Refinanzierungsoperationen des Bankensektors zurückzuführen, insbesondere während der Staatsschuldenkrise 2011-12. Zwischen 2015 und 2025 erklären die Anleihekaufprogramme des Eurosystems und deren Rückzahlung bei Fälligkeit den Großteil der beobachteten Veränderungen.

TARGET-Mechanismus: Liquiditätsflüsse und Bilanzpositionen

TARGET-Salden sind Bilanzpositionen der Eurosystem-Zentralbanken, die aus der Organisation grenzüberschreitender Zahlungen resultieren.

Sie spiegeln die Bewegung von Reserven zwischen Jurisdiktionen wider, wobei die EZB als zentrale Gegenpartei fungiert.

Wenn eine Zahlung zwischen Banken in verschiedenen Ländern erfolgt, werden Reserven zwischen den nationalen Zentralbanken (NZBen) übertragen, was zu TARGET-Forderungen oder -Verbindlichkeiten führt.

Auch geldpolitische Operationen, wie der Kauf von Wertpapieren durch eine NZB, können TARGET-Positionen erzeugen.

Die Salden sind unbegrenzt und gleichen sich im Eurosystem zu null aus.

Im Gegensatz dazu unterliegen die Interdistrict Settlement Accounts (ISAs) der US Federal Reserve einem jährlichen Rebalancing, was zu einer anderen Dynamik führt.

Transparenz für ein komplexes System

Die Studie liefert entscheidende Klarheit über ein historisch missverstandenes und politisiertes Thema.

Durch die Quantifizierung des Einflusses der Geldpolitik entkräftet sie Mythen über TARGET-Salden als Zeichen von Dysfunktion.

Dieses robuste Modell verbessert das Verständnis der Liquiditätsdynamik im Eurosystem und fördert eine informierte Debatte.