Neue Methode zur Geldpolitik: Szenarien gewichten statt einzelner Prognose
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Neue Methode zur Geldpolitik: Szenarien gewichten statt einzelner Prognose

Die Banque de France (BDF) schlägt eine Methode vor, um die Geldpolitik in Zeiten großer Unsicherheit zu steuern. Dabei sollen verschiedene Wirtschaftsszenarien gewichtet und nicht nur eine einzelne Prognose herangezogen werden.

Jenseits der Einzelprognose: Unsicherheit managen

In Zeiten großer wirtschaftlicher Unsicherheit stehen Zentralbanken vor widersprüchlichen Zukunftsszenarien.

Eine neue Methode der Banque de France (BDF) schlägt vor, diese Szenarien zu gewichten, anstatt sich auf eine einzelne, meistgenutzte Makroprognose zu verlassen.

Diese Vorgehensweise entspricht den Empfehlungen von Nobelpreisträger Bernanke (2024) an die Bank of England, der die Bedeutung von Alternativszenarien betonte.

Auch die strategische Überprüfung der Europäischen Zentralbank (EZB) im Jahr 2025 hob die Nützlichkeit solcher Szenarien hervor.

Die BDF baut auf Ideen von Gouverneur François Villeroy de Galhau auf, der bereits im Dezember 2025 ein risikobasiertes Rahmenwerk mit gewichteter Szenariosynthese diskutierte.

Die Methode nutzt die makroökonomischen Projektionen des Eurosystems vom Juni 2025 als Beispiel, die Unsicherheiten bezüglich der US-Handelspolitik berücksichtigten.

Dabei wurden ein Basis-, ein moderates und ein schwerwiegendes Szenario entwickelt, um unterschiedliche geldpolitische Pfade zu simulieren.

Plausibilität statt Wahrscheinlichkeit: Die Gewichtung

Die Gewichtung der Szenarien erfolgt mittels einer adaptierten Bayesian Predictive Synthesis Methode.

Diese bewertet die Plausibilität jedes Szenarios, indem sie dessen Übereinstimmung mit den Erwartungen professioneller Prognostiker (z.B. EZB Survey of Professional Forecasters vom Juli 2025) misst.

Ein 'künstliches' Szenario ergänzt dabei nicht abgedeckte makroökonomische Trends.

Für die realen BIP-Prognosen 2026 erhielten Basis- und künstliches Szenario je rund 30 Prozent Gewichtung, das moderate 27 Prozent und das schwerwiegende 12 Prozent.

Diese Gewichtung führte zu einem synthetischen optimalen Zinspfad, der eine Senkung auf 2 Prozent im Juni 2025 und eine weitere Reduktion um 25 Basispunkte vor Jahresende 2025 vorschlug, abweichend von Markterwartungen.

Die zweite Senkung wurde in der Realität nicht umgesetzt.

Ein Schritt zu mehr Robustheit

Diese Methode bietet einen entscheidenden Schritt zu einer robusteren Geldpolitik, indem sie Unsicherheit explizit in die Entscheidungsfindung integriert.

Sie überwindet die Grenzen starrer Einzelprognosen und ermöglicht einen nuancierteren Blick auf potenzielle geldpolitische Pfade.

Obwohl methodisch anspruchsvoll, könnte ihre breitere Anwendung die Anpassungsfähigkeit der Zentralbanken in volatilen Wirtschaftsphasen erheblich verbessern.