Frankreichs Sparquote bleibt hoch: Vier Faktoren nach der Pandemie
Eine Studie der Banque de France identifiziert vier Hauptgründe für die anhaltend hohe Sparquote in Frankreich seit dem Ende der Pandemie. Konsumglättung, Einkommenszusammensetzung, inflationsbedingte Verluste und Unsicherheit treiben die Quote um 3,6 Prozentpunkte über das Niveau von 2019.
Vier Säulen der Sparsamkeit
Frankreichs Sparquote verharrt seit dem Ende der Pandemie auf einem historisch hohen Niveau, Ende 2024 um 3,5 Prozentpunkte über dem Wert von 2019.
Eine Studie der Banque de France (BdF) identifiziert vier Schlüsselfaktoren für diesen Anstieg.
Die Konsumglättung der Haushalte trägt 1,4 Prozentpunkte zum Anstieg bei.
Haushalte glätten ihren Konsum bei Einkommensschwankungen: Steigt das aktuelle Einkommen unerwartet oder werden Kaufkraftzuwächse als temporär angesehen, bleiben Konsum stabil und Ersparnisse steigen.
Einkommenszusammensetzungseffekte sind für 1,8 Prozentpunkte des Anstiegs verantwortlich.
Das starke Wachstum der Finanzerträge zwischen 2022 und 2024, bedingt durch steigende Zinsen, hat die Sparquote erhöht.
Finanzerträge werden tendenziell stärker gespart als andere Einkommensarten, da sie oft von wohlhabenderen Haushalten erzielt und teilweise direkt reinvestiert werden.
Die BdF-Ökonomen Alice Carroy, Yannick Kalantzis und Camille Thubin quantifizieren diese Effekte detailliert.
Inflation frisst Vermögen, Unsicherheit bremst Konsum
Ein dritter Faktor sind inflationsbedingte Verluste, die Haushalte in den Jahren 2022 und 2023 erlitten haben.
Um die Erosion ihres Realvermögens durch die hohe Inflation zu kompensieren, sparten Haushalte mehr.
Besonders betroffen waren nicht-verzinsliche Einlagen und festverzinsliche Produkte, deren Wert nicht mit der Inflation stieg.
Die Verluste auf Währungen und Sichteinlagen stiegen von 9,0 Mrd. Euro im Jahr 2021 auf 50 Mrd. Euro im Jahr 2023, bevor sie 2024 auf 13 Mrd. Euro zurückgingen.
Viertens trägt die Unsicherheit zu erhöhten Vorsichtsmaßnahmen bei.
Disinflation und die Normalisierung der Geldpolitik sollten zwar die Einkommens- und Inflationseffekte abmildern, doch die anhaltende nationale und globale Unsicherheit könnte die Sparquote Frankreichs weiterhin stützen.
Ein Spar-Rätsel mit Folgen
Die Studie der Banque de France liefert eine präzise Dekonstruktion des französischen Sparverhaltens.
Sie zeigt, dass die hohe Sparquote nicht nur ein Nachhall der Pandemie ist, sondern durch strukturelle Faktoren und Unsicherheit zementiert wird.
Für die Geldpolitik bedeutet dies, dass die Konsumschwäche länger anhalten könnte, selbst wenn die Inflation nachlässt.