Angelini: Italiens Energiesicherheit erfordert Strukturreformen
Paolo Angelini, Generaldirektor der Banca d'Italia, mahnt angesichts globaler Krisen zu strukturellen Reformen für Italiens Energiesicherheit. Bei einer Konferenz am 2. April 2026 betonte er die Notwendigkeit, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren.
Globale Turbulenzen und Italiens Achillesferse
Paolo Angelini, Generaldirektor der Banca d'Italia, betonte in seinen Schlussbemerkungen die globale Wirtschaft, die von einem beispiellosen Energieschock, latenten Finanzfragilitäten, starken Handelsveränderungen und wachsenden geopolitischen Spannungen geprägt ist.
Der Konflikt im Nahen Osten weitet seine Auswirkungen auf die Versorgung mit Öl, Gas und Derivaten aus, die für Landwirtschaft, Gesundheit und Verteidigung unerlässlich sind.
Der Transit durch die Straße von Hormuz, über die 30 bis 50 Prozent des global gehandelten Harnstoffs und Ammoniaks sowie etwa ein Drittel des weltweiten Heliumangebots laufen, ist betroffen.
Diese Entwicklungen bestätigen die Anfälligkeit des italienischen Wirtschaftsmodells, das stark von ausländischen Lieferungen in strategischen Sektoren abhängt.
Obwohl Italien Fortschritte bei der Diversifizierung seiner fossilen Brennstoffquellen gemacht hat, reichen diese nicht aus, um die Effekte eines globalen Schocks dieser Größenordnung abzufedern.
Erneuerbare Energien: Vom Trilemma zur neuen Abhängigkeit?
Das traditionelle „Energietrilemma“ – die gleichzeitige Verfolgung von Umweltverträglichkeit, wirtschaftlicher Zugänglichkeit und Versorgungssicherheit – ist laut Angelini nicht mehr so eindeutig.
Erneuerbare Energien sind durch technologischen Fortschritt und Kostensenkungen wettbewerbsfähig geworden, was Investoren ermöglicht, Kosten zu senken, die Umwelt zu schützen und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren.
Doch die Umstellung bringt neue Herausforderungen mit sich: technologische Abhängigkeit vom Ausland, Kosten für Netzausbau und -stabilität sowie die Amortisation stillzulegender Anlagen.
Ende 2024 lag der Anteil erneuerbarer Stromerzeugung in Italien bei 40,7 Prozent.
Trotzdem bleiben die Fortschritte langsam, was das Land weiterhin Preisschocks bei Erdgas aussetzt.
Strukturwandel statt Notfall-Flickwerk
Angelinis Appell unterstreicht die Dringlichkeit eines umfassenden Strukturwandels, der über kurzfristige Notfallmaßnahmen hinausgeht.
Die schleppende Umsetzung von Energiewende und Bürokratieabbau in Italien bleibt jedoch eine erhebliche Hürde.
Ohne entschlossenes Handeln droht das Land weiterhin anfällig für externe Schocks zu bleiben.