Bankenkonsolidierung: Balanceakt zwischen Wettbewerb, Stabilität und Innovation
Gian Luca Trequattrini von der Banca d'Italia beleuchtet die komplexe Beziehung zwischen Bankenkonsolidierung, Wettbewerb, Stabilität und Innovation. Er betont die Notwendigkeit eines nuancierten Ansatzes jenseits traditioneller Antitrust-Paradigmen.
Mehr Konzentration, weniger Wettbewerb? Ein Trugschluss
Der Bankensektor hat sich in den letzten dreißig Jahren durch Konsolidierung tiefgreifend gewandelt.
Fusionen und Übernahmen wurden zu zentralen Instrumenten der Reorganisation, angetrieben durch ökonomische, technologische und regulatorische Faktoren.
Die traditionelle Antitrust-Sicht, die höhere Konzentration mit geringerem Wettbewerb und potenziellen Wohlfahrtsverlusten für Konsumenten gleichsetzt, erweist sich im Bankwesen als problematisch.
Der Bankenmarkt ist kein gewöhnlicher Markt; er ist stark reguliert, kapitalintensiv, von Informationsasymmetrien geprägt und unterliegt strengen aufsichtsrechtlichen Vorgaben.
In diesem Kontext ist Größe nicht nur eine Quelle von Marktmacht, sondern auch ein Motor für Effizienz, Innovation und Widerstandsfähigkeit gegenüber Schocks.
Die moderne Antitrust-Analyse geht daher über strukturelle Indikatoren hinaus und bewertet konkrete Auswirkungen auf Marktmacht und Effizienz.
Weniger Banken, größere Institute: Ein globaler Trend
Seit den 1990er Jahren hat sich die Zahl der Banken fast überall reduziert, während die durchschnittliche Größe der Institute und die Präsenz großer, diversifizierter Gruppen zugenommen haben.
Ende 2024 zählte das italienische Bankensystem 134 Intermediäre, gegenüber 510 im Jahr 2014. Im Euroraum sank die Zahl der Banken von 10.900 im Jahr 2001 auf gut 4.300 im Jahr 2022, ein Rückgang von 60 Prozent.
Treiber dieser Entwicklung waren die Aufhebung geografischer Beschränkungen, Privatisierungen sowie strengere Kapitalanforderungen und höhere Compliance-Kosten.
Für viele kleinere Banken wurde die Fusion zur fast obligatorischen Wahl, um Fixkosten auf eine breitere Basis zu verteilen.
Größe als Überlebensfaktor – aber mit Risiken
Hohe Fixkosten und niedrige Grenzkosten machen Skalen- und Verbundeffekte im Bankgeschäft entscheidend.
Technologieinvestitionen, die von 2 auf 7 Prozent der operativen Kosten stiegen, sind für kleinere Institute eine enorme Belastung.
Größe kann Effizienz steigern und digitale Kosten verteilen, birgt aber jenseits einer Schwelle auch Risiken wie Komplexität und systemische Gefahren.